Pflege
Die Pflegereform verspricht einige Veränderungen für Pflegebedürftige © panthermedia.net / Anna Leopolder

Änderungen in der Pflegeversicherung waren längst überfällig. Diese Absicherung für das Alter entsprach schon lange nicht mehr den Kriterien, die heute in der Pflege von wachsender Bedeutung sind. Während sich die Einteilung der Pflegestufen bei körperlichen Einschränkungen noch verhältnismäßig klar gestaltete, war es für Menschen mit Demenz oder psychischen Störungen wesentlich schwieriger, Ansprüche geltend zu machen. Die Änderungen werden mit einer Beitragserhöhung in der Pflegeversicherung einhergehen.

Zweite Stufe der Reform ist beschlossen

Die Pflegeversicherung ist seit 20 Jahren ein fester Bestandteil der deutschen Sozialversicherung. Der Blick auf pflegebedürftige Menschen wird sich mit der aktuellen Pflegereform nun erwähnenswert ändern. Durch die Pflegereform 2012/2013 erhielten Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung bereits die Möglichkeit, im Rahmen des Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes (PNG) Leistungen zu erhalten. Jedoch kam es damals nicht zu einer Anpassung des Begriffes der Pflegebedürftigkeit. Viele Betroffene fanden bei der Entscheidung über eine Pflegestufe keine oder nicht ausreichend Berücksichtigung. Die nachfolgenden Schritte sollten und sollen nicht nur in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen. Zu Beginn des Jahres 2015 trat zunächst das erste Pflegestärkungsgesetz inkraft. Das zweite Pflegestärkungsgesetz sieht ab 2016 vor, dass die drei Pflegestufen ersetzt werden. An ihre Stelle treten fünf Pflegegrade. Zu den Kriterien, die bei der Berücksichtigung entscheidend sind, gehören auch die kognitiven Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Probleme. Für pflegende Angehörige wird es ebenso Verbesserungen geben. Menschen, die aus dem Beruf aussteigen, um Verwandte zu pflegen, erhalten Anspruch auf Gelder von Seiten der Pflegekassen, die als Arbeitslosenversicherung eingezahlt werden. Außerdem wird die Bildung einen neuen Stellenwert erhalten. In Zukunft müssen Pflegekassen kostenlose Pflegekurse für Angehörige oder Ehrenamtliche anbieten. Für die Realisierung der Reform werden die Pflegeversicherungsbeiträge erneut nach oben korrigiert; um 0,2 Prozentpunkte.

Sind Leistungen zukünftig leichter erhältlich?

In bürokratischer Hinsicht gibt es ebenso Veränderungen. So werden Betroffene ihr Gutachten vom Medizinischen Dienst für die Einstufung in den jeweiligen Pflegegrad nicht mehr beantragen müssen, sondern automatisch erhalten. Ebenso sieht die Pflegereform vor, dass die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte sowie die Entlohnung der anspruchsvollen Tätigkeit verbessert und attraktiver gestaltet werden. Die Umstellung werde keinen Pflegebedürftigen schlechter stellen, so die Bundesregierung. Weiterhin wurde angedeutet, dass viele Leistungsbezieher mehr Unterstützung als bisher erhalten. Durch diesen Bestandsschutz werden bisherige Pflegebedürftige keine Nachteile befürchten müssen, heißt es. Die Pflegereform stellt einen großen Schritt dar und macht eine veränderte Sicht, ein gewandeltes Verständnis deutlich, wenn es um den Begriff der Pflegebedürftigkeit geht.  Dieser bezieht sich endlich nicht mehr nur auf Pflegebedürftige mit körperlichen Einschränkungen, sondern bindet auch Menschen mit Demenzerkrankungen ein.