BVA-Chef hält Gesundheitsfonds für Fehlschlag
BVA-Chef hält Gesundheitsfonds für Fehlschlag

Die große Koalition wollte im vergangenen Jahr mit der Einrichtung des Fonds die Gesundheitskosten effektiver schultern und überschaubarer machen. In diesen Finanzierungstopf der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) fließen die Beitragszahlungen der gesetzlich  Krankenversicherten. In diesem Jahr sind knapp 174 Milliarden Euro im Topf. Das BVA verwaltet die Gelder und organisiert auch den Risikostrukturausgleich zwischen den Krankenkassen. Nach Schätzungen des BVA wird der Gesundheitsfonds im nächsten Jahr mit einer Unterdeckung von rund 11 Milliarden Euro zu kämpfen haben. Wenn die Krankenkassen mit den Zahlungen aus dem Gesundheitsfonds  nicht auskommen, so können und müssen sie Zusatzbeiträge von ihren Versicherten erheben. Maximilian Gaßner hat große Zweifel daran, dass dieses Finanzloch allein mit den Zusatzbeiträgen gestopft werden kann.

Unzureichende Finanzierung

Der Zusatzbeitrag, der in der letzten Zeit für viel Wirbel in der Krankenkassenlandschaft gesorgt haben, hält Gaßner für ein untaugliches Instrument. “Solange der Zusatzbeitrag auf maximal ein Prozent des Gehalts begrenzt ist, wird er so oder so nicht reichen, um das Millairdendefizit zu verhindern.” Deshalb plädiert er für eine allgemeine Erhöhung der Einnahmen. Der zusätzliche Beitrag spielt aber bei seinen Forderungen keine Rolle. Vielmehr muss die gesamte Finanzierung der GKV seiner Ansicht nach grundsätzlich überdacht und angepasst werden.  

Durcheinander

Maximilian Gaßner ist nicht der einzige, der den Gesundheitsfonds als falsche und schädliche Konstruktion ablehnt. Auch diverse Experten und Sachverständige haben die Mischform von Pauschalen aus dem Gesundheitsfonds und den einkommensabhängigen Zusatzbeiträgen als fehlgeleitet bezeichnet. Eigentlich war es der Sinn des Gesundheitsfonds, den Wettbewerb der Krankenkassen untereinander zu verstärken. Doch durch Pauschalen, einheitliche Zuschläge und pauschale Nachlässe oder auch die prozentuale Erhebung von Zusatzbeiträgen wird das ganze System völlig undurchsichtig. Die Funktion der transparenten Preisgestaltung wird so im Grunde ad absurdum geführt.

Familienversicherung

Dieses ganze Hin und Her sollte nach Auffassung des BVA-Chefs einfach aufhören. Die gesetzlich Versicherten hätten Ehrlichkeit verdient. “Die Politik muss von den Versicherten eine adäquate Gegenleistung für ihre gute medizinische Versorgung verlangen.” Die Berechnung der Beiträge müsse anders vorgenommen werden. Vor allem aber sollte die Familienversicherung überdacht und neu geordnet werden. “Kinder und die, die sie erziehen, sollen aus solidarischen Gründen weiterhin kostenlos versichert sein, aber nicht kinderlose, vermögende Ehepartner.”

Pro Kopfpauschale

Für Gaßner ist die Kopfpauschale die bessere Lösung, denn bei einer derartigen Finanzierung wird nicht nur das Gehalt berücksichtigt. “Der Charme der Kopfpauschale ist, dass sie nicht danach fragt, woher die Mittel ihrer Bezahlung kommen, ob aus Lohn, Mieteinnahmen oder Kapitaleinkünften.” Die Höhe des Einkommens ist für ihn entscheidend, nicht aber die Herkunft des Geldes. “Das ist vor allem eine Frage der Gerechtigkeit.”

Irrweg Fusionen

Auch ist er der Meinung, dass die Fusionen der gesetzlichen Krankenkassen kein tragfähiger Beitrag zur Lösung der Probleme sein können. Die Bündelung der Kapazitäten innerhalb der GKV könne kein Ausweg sein. Der jetzige Stand der Dinge sieht so aus, dass ungefähr 40 Anbieter den GKV-Markt zu 90 Prozent bedienen. “Aber die Praxis zeigt: Bei den Krankenkassen ist es wie in der Wirtschaft. Der Vorteil hoher Stückzahlen wird oft genug aufgefressen von einem administrativen Wasserkopf uns seinen Führungsproblemen.”

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