City-BKK-Pleite: AOK droht finanzieller Engpass
City-BKK-Pleite: AOK droht finanzieller Engpass

Die Pleite der City BKK zieht immer größere Kreise. Nun müssen sich auch die AOK und deren Versicherten Sorgen machen. Denn durch den enormen Ansturm von Neumitgliedern drohen Zusatzbeiträge. Die AOK Nordost warnt vor finanziellen Engpässen. „Die Neumitglieder stellen uns vor organisatorische und finanzielle Mehrbelastungen“, sagte deren Chef Frank Michalak. Grund: Der Gesundheitsfonds, in dem die Beiträge aller Krankenversicherten gesammelt werden, überweist das Geld für die neuen Versicherten erst zwei Monate nach deren Übertritt zur neuen Krankenkasse, obwohl die vielen schwerkranken Mitglieder der City BKK bereits von Beginn an hohe Kosten auslösen. „Dies kann zu Liquiditätsproblemen führen, was die Kassen dann dazu zwingen könnte, einen Zusatzbeitrag zu erheben“, so Michalak weiter. Für die AOK Nordost schloss er einen Zusatzbeitrag in diesem Jahr aber aus.

Gesundheitsfonds muss korrigiert werden

Michalak fordert, dass die Bundesregierung Korrekturen am Gesundheitsfonds vornimmt. Sie müsse zumindest dafür sorgen, dass das Geld aus dem Gesundheitsfonds dort ankommt, wo es gebraucht wird – nämlich bei den Alten und Kranken. Die Kosten, die diese Versichertengruppe verursacht, werden derzeit oft nicht vollständig abgedeckt. Das wurde schließlich auch der City BKK zum Verhängnis.

130.000 City-BKK-Versicherten droht Zwangszuweisung

Unterdessen verweigern Zehntausende City-BKK-Mitglieder immer noch den Wechsel zu einer anderen Krankenkasse. Ihnen droht jetzt eine Zwangseinweisung bei einer gesetzlichen Krankenkasse. Von den knapp 170.000 Versicherten haben sich bislang erst 40.000 für eine neue Kasse entschieden. Alle anderen suchen noch oder verweigern die freie Kassenwahl. Wer am 14. Juli – solange läuft die Frist für Pflichtversicherte – noch nicht neu versichert ist, für den sucht entweder der Arbeitgeber, die Rentenversicherung oder die Agentur für Arbeit die künftige Krankenkasse aus. Nach internen Schätzungen müssen am Ende der Frist mindestens 50.000 Versicherte der City BKK zwangsweise auf andere Kassen verteilt werden. Dabei soll es sich vor allem um Ältere, Kranke und Pflegebedürftige handeln, die Nachteile aus einem Wechsel nach der Krankenkasseninsolvenz befürchten. Die Deutsche Rentenversicherung wies noch mal darauf hin, dass sich auch Rentenbezieher eine neue Kasse aussuchen dürfen. Der neue Versicherungsschutz schließt sich nahtlos an den bisherigen an.

Wechselwilligen wird Mitgliedschaft verwehrt

Aber auch vielen Wechselwilligen wurde die Mitgliedschaft bei einer anderen Krankenkasse bisher verwehrt. Stundenlang mussten sie vor Geschäftsstellen ausharren oder wurden in telefonischen Warteschleifen vertröstet. Dabei sind gesetzliche Krankenkassen verpflichtet, Versicherte anderer Kassen aufzunehmen – und zwar unabhängig von Alter und Vorerkrankungen der Interessenten.

Kommentare