Destatis: Kaiserschnitte werden zur Normalität
Destatis: Kaiserschnitte werden zur Normalität

Während die Geburtenziffer in Deutschland für das Jahr 2009 leicht rückläufig ist, steigt der Anteil der Kaiserschnitte an. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes haben in diesem Zeitraum 644.274 Frauen im Krankenhaus ein Baby auf die Welt gebracht, fast ein Drittel (31,3 %) davon per Schnittentbindung. Damit ist deren Anteil im Vergleich zu 2008 um 1,1 Prozentpunkte gestiegen. Gründe nannte die Behörde nicht. Andere Geburtshilfen hingegen kamen nur selten zur Anwendung. Eine Saugglocke (Vakuumextraktion) musste in 5,2 Prozent der Fälle (33.418) und eine Zangengeburt in 0,7 Prozent der Fälle (4.247) durchgeführt werden. Im Saarland und in Hessen wurden die meisten Kinder per Kaiserschnitt geholt, in Sachsen und Sachsen-Anhalt die wenigsten.

Niedersachsen verzeichnet höchsten Anstieg

Der höchste Anstieg der Schnittentbindungen war in Niedersachsen zu verzeichnen. Mit 32,3 Prozent im Jahr 2009 lag die Rate um 2,4 Prozentpunkte höher als noch 2008. Bremen (-1,7 Prozentpunkte), Brandenburg (-1,0) und Hamburg (-0,1) sind die einzigen Bundesländer, in denen die Kaiserschnitte leicht rückläufig waren. Entbindungen mit Hilfe der Saugglocke wurden am häufigsten in Berliner Krankenhäusern durchgeführt (8 %), in Thüringen dagegen am seltensten (2,8 %). In Brandenburg gab es die meisten Zangengeburten (2,1 %), in Berlin und Schleswig-Holstein mit jeweils 0,2 Prozent die wenigsten.

263 Schwangerschaftsabbrüche weniger

Kürzlich veröffentlichte das Statistische Bundesamt auch die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche. Im Jahr 2010 wurden 110.431 Abtreibungen in Deutschland gemeldet. Das sind 263 (-0,2 %) Abbrüche weniger als noch 2009. Fast drei Viertel (73,8 %) der Frauen, die eine Abtreibung durchführen ließen, waren zwischen 18 und 34 Jahre alt, 4,1 Prozent waren noch minderjährig. 40,3 Prozent der Frauen hatten zum Zeitpunkt des Abbruchs noch keine Kinder geboren. Dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr fast konstant geblieben. Auffallende Unterschiede bestehen zwischen den alten und neuen Bundesländern (jeweils ohne Berlin). Im früheren Bundesgebiet hatten 42,5 Prozent aller Frauen, die abtreiben ließen, zuvor noch keine Lebendgeburt. In den neuen Ländern lag dieser Anteil nur bei 30,8 Prozent.

Abtreibungen fast immer nach Beratungsregelung

Gründe für die Schwangerschaftsabbrüche hat das Statistische Bundesamt nicht erfasst. Allerdings wurden nahezu alle Abtreibungen (97,2 %) nach der Beratungsregelung vorgenommen. Eine medizinische oder kriminologische Indikation lag nur in 2,8 Prozent der Fälle vor. Die Beratungsregelung besagt, dass ein Schwangerschaftsabbruch dann straflos bleibt, wenn er innerhalb von zwölf Wochen nach der Empfängnis durch einen Arzt durchgeführt wird, die schwangere Frau den Abbruch verlangt und sie dem Arzt eine Bescheinigung einer anerkannten Beratungsstelle vorlegen kann.