DGB-Studie: Arbeitslosigkeit macht krank
DGB-Studie: Arbeitslosigkeit macht krank

Liegt die Krankenstandsqoute bei den 15- bis 24-Jährigen bei Erwerbslosen mit 4,4 Prozent nur leicht über der von Arbeitnehmern mit 3,0 Prozent, so vergrößert sich die Lücke doch bei höheren Altersgruppen sehr rasch. Bei den 50- bis 54-Jährigen sind Arbeitslose 2,5 mal häufiger krank gemeldet als Personen mit Beruf. Der Krankenstand beläuft sich bei dieser Personengruppe auf 13,5 Prozent. Ein Trend zum höheren Krankheitsrisiko zeichnet sich allerdings bei allen Altersgruppen ab – sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Mit den Aussagen stützt sich der DGB auf mehrere statistische Erhebungen der vergangenen Jahre, unter anderem eine Untersuchung der Bundesregierung aus dem Jahre 2007.

Erwerbslosigkeit als psychische Belastung

Seit den 1930ern beschäftigen sich Wissenschaftler mit den psychischen Belastungen von Arbeitslosigkeit. Die Hauptfrage dabei ist: Führt häufige Krankheit zu Erwerbslosigkeit oder umgekehrt? Feststeht, dass bei Empfängern von ALG I und Hartz IV psychische Störungen wie Depressionen, Angststörungen, Resignation, ein verringertes Selbstwertgefühl sowie ein zurückgehendes Aktivitätsniveau deutlich häufiger auftreten als bei Erwerbstätigen. Dies zeigt unter anderem eine Statistik nach der verordneten Anzahl von Antidepressiva: Bei Arbeitslosen fallen diese Verordnungen meist doppelt so häufig aus wie bei Erwerbstätigen. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert und je geringer die Aussicht auf einen schnellen Berufseinstieg sind, desto größer fällt der psychische Stress und damit die Anzahl der Krankmeldungen aus.

Fehlende Prävention bei Hartz IV

Ein weiteres Problem stellt laut DGB die fehlende Prävention bei Beziehern von Arbeitslosengeld dar. Die gesetzlichen Krankenkassen sind rechtlich verpflichtet die Primärprävention (Krankheitsvermeidung) zu fördern. Bei Arbeitslosen zeigt sich allerdings eine unterdurchschnittliche Teilnahme an den angebotenen Kursen. Erwerbslose erreicht das Präventionsangebot also kaum. Grund sind Probleme bei der Finanzierung und Erstattung solcher Angebote.

Problematik für den Berufseinstieg

Das steigende Krankheitsrisiko stellt auch für die Rückkehr in den Beruf ein großes Problem dar. Chronische Krankheiten und eine angeschlagene Psyche sind für die meisten Arbeitgeber ein Einstellungshindernis. Fest steht aber, dass Bezieher von ALG II bzw. Hartz IV mit einer durchschnittlichen Krankenstandsquote von 10,9 Prozent weit häufiger krank sind als Empfänger von ALG I mit 7,9 Prozent und Erwerbstätige mit 4,4 Prozent.

Eingliederung von Arbeitslosen

Arbeitslose müssen noch stärker in den Arbeitsmarkt und das Gesundheitssystem eingegliedert werden, das fordert der DGB. Der Berufseinstieg muss durch Weiterbildung gefördert werden, wobei Arbeitssuchende auch gefordert sein müssen, damit psychische Erkrankungen keinen Nährboden finden. Darin integriert werden muss eine freiwillige Teilnahme am Präventionsangebot der gesetzlichen Krankenversicherung. Dafür müssen Erwerbslose direkt in ihrer Lebenswelt angesprochen werden. Diese Forderungen wurden bereits in früheren Untersuchungen der Bundesregierung durch den Sachverständigenrat geäußert. 

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