Die gefährliche Epidemie: Das Fußball-WM Fieber
Die gefährliche Epidemie: Das Fußball-WM Fieber

Da ist zunächst einmal die Ernährung. Die KKH-Allianz hat eine Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nicht wirklich überraschen. Nach den Ergebnissen der Befragung unter 1.006 Deutschen trinken die Fans zur Fußball-WM mehr Alkohol als in WM-freien Zeiten. Eine Fußballweltmeisterschaft ohne Grillwürste, Rippchen und Koteletts vom Grill ist nach Ansicht der Befragten wie ein Fisch ohne Fahrrad. Chips und Bier und gehören ohnehin dazu. Nach statistischen Berechnungen wird sich in der Zeit der Fußball-WM 2010 jeder Zehnte wesentlich ungesünder ernähren als in normalen Zeiten. Bei den jüngeren Fußballfans hat sogar jeder Fünfte eine hochgradige Abneigung gegen gesundes Obst und Gemüse während der WM. Die Frauen schneiden entscheidend besser ab. Nicht einmal zehn Prozent “sündigen” während der WM mit Bier, Chips oder Schokolade.

Vuvuzelas schädigen Ohren

Ein weiterer Faktor, der gesundheitsschädliche Wirkungen entfaltet, sind die vielgescholtenen Vuvuzelas. Wie hat die Presse sie schon tituliert: “Terror-Tröte der Fußball-WM” stand im “Stern”, und “Furzgeräusche aus der Hölle” nannte sie der “Tagesspiegel”. Eigentlich mag sie ja niemand, doch das ist nicht der Punkt. Sie sind nicht nur lästig und unangenehm, sondern können tatsächlich in vielerlei Hinsicht die Gesundheit gefährden. Am Anfang waren es die Ohrenärzte, die Alarm geschlagen haben. Dass sie nicht ganz unberechtigt warnen, war sicherlich unmittelbar einleuchtend. Hörakustiker Eckhard Hoffmann hat bei einer präparierten Puppe gemessen, dass bis zu 160 Dezibel im Ohr landeten. Bereits bei 120 Dezibel kann ein kurzer Ton Schädigungen verursachen. Hoffmann meint, dass aus medizinischern Sicht ein Verbot dieser  ”Instrumente” geraten wäre.

Atemnöte

Doch auch Bakterien und Viren freuen sich über die Vuvuzelas, denn so können sie sich ungehindert ausbreiten. Die London School of Hygiene and Tropical Medicine machte klar: “Die Tröten können Infektionen deutlich stärker verbreiten als Husten oder Schreien eines kranken Zuschauers in der Menge.” Und vorgeschädigte Fußballfans, zum Beispiel Asthmatiker, sollten ganz die Finger von den Vuvuzelas lassen. Das starke Ausatmen kann die Bronchien um 15 Prozent verengen, was einen heftigen und gefährlichen Asthmaanfall auslösen kann.

Herzensangelegenheit

Doch auch damit noch nicht genug. Bei so viel Emotion ist selbstverständlich auch das Herz betroffen. Zunächst positiv, weil natürlich das Herz eines jeden Fans aufgeht, wenn die eigene Mannschaft auf dem Vormarsch ist. Doch ein schwaches oder krankes Herz kann in Gefahr geraten. Herzrhythmusstörungen oder sogar ein Herzinfarkt sind im Bereich des Möglichen. “Emotionaler Stress bedeutet wirklich ein Risiko, ganz besonders für Herzpatienten,” sagt der Kardiologie-Chefarzt am Nürnberger Klinikum, Professor Matthias Pauschinger.

Prävention  

“Wenn die Nationalelf kickte, traten doppelt so häufig Herznotfälle auf wie sonst.” So das Ergebnis einer Untersuchung aus dem WM-Jahr 2006. Bei Patienten mit bekannter Herzproblematik gab es sogar viermal mehr Notfälle als in normalen Zeiten. Der Kardiologe rät den Herzkranken, vor aufregenden Spielen mit dem Arzt zu sprechen. Man kann die Medikamentendosis erhöhen oder schon vor dem Spiel das Rettungsspray vorbeugend anwenden. Auf jeden Fall ist Vorsicht geboten, und bei aller Begeisterung und dem Mitfiebern sollte niemand vergessen: Es ist nur ein Spiel, und für ein Spiel sollte man die Gesundheit nicht aufs Spiel setzen.

Ende in Sicht

Also sollten die Fans alles etwas ruhiger, etwas gelassener angehen und vorbeugen, wenn es denn nötig ist. Und was die Vuvuzelas angeht – bald werden sie nicht mehr zu hören sein. Das Ende der Fußball-WM wird auch das Ende der nervigen Trompeten sein. In einigen deutschen Städten oder Sportstadien sind die Nervtröten bereits verboten. Gegen die Vuvuzelas helfen auch nur Gelassenheit und die Gewissheit, dass der Trötenspuk bald vorbei sein wird.

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