Mit der Überschrift „Vorsicht bei Eheschließung mit Privatpatienten“ titelt Focus Money online heute am 07.05.2010 in einem Onlinebericht

Es wird ausgeführt, dass Private Krankenversicherung (PKV) für junge Familien „oft teuer zu stehen“ kommen kann.

Es wird weiter ausgeführt, dass die GKV Mitgliedschaft enden würde, wenn ein GKV Versicherter Partner z.B. wegen Kindererziehung aus dem Erwerbsleben ausscheiden würde. Wenn beide Partner GKV versichert wären, sei das alles kein Problem weil hier die Familienversicherung greifen würde. Dazu wird meine Lieblingsorganisation zitiert. Wenn der weiterarbeitete Ehepartner PKV versichert sei, dazu meinte Frau Julia Nill von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „In diesem Fall hat der gesetzlich Versicherte Elternteil ein Problem“, da es in der PKV keine Familienversicherung gibt müsse sich die Frau entweder in der PKV oder der GKV versichern „Auch wenn die betreffende Person keinerlei eigenes Arbeitseinkommen bezieht, fingieren die Kassen in diesem Fall, sie erhielte die Hälfte des Lohnes ihres Mannes und berechnen auf dieser Basis die Beiträge“, so Frau Nill weiter

Für eine solche undifferenzierte Aussage möchte ich einen Pinguin vergeben:

Nun mal zu den Fakten:

  • Ist der Mann GKV versichert besteht für eine GKV pflichtversicherte Frau zunächst auch kein Anspruch auf die Familienversicherung, weil Sie für die ersten 3 Jahre nach der Geburt das Fortbestehen der Mitgliedschaft in Anspruch nehmen muss. In dieser Zeit ist der Betreffende kostenfrei weiter in der GKV versichert. Dies ist im SGV § 192 (1) 3 geregelt. Erst nach diesen 3 Jahren muss sich der Betreffende entscheiden, entweder wieder zu arbeiten und damit wieder in der GKV versicherungspflichtig zu werden, oder in die Familienversicherung zu wechseln.
  • Ist der Mann PKV versichert, besteht für eine GKV pflichtversicherte Frau genauso für die ersten 3 Jahre nach der Geburt das Fortbestehen der Mitgliedschaft. Erst nach diesen 3 Jahren muss sich der Betreffende entscheiden, entweder wieder zu arbeiten oder in die freiwillige GKV oder die PKV zu wechseln.
  • Die o.a. Problematik trifft nur zu, wenn sowohl der Mann PKV versichert und die Frau entweder freiwilliges GKV Mitglied oder eben in der PKV versichert ist. Nach meiner Erfahrung ist diese Konstruktion ehr selten anzutreffen und wo dies der Fall ist, wissen i.d.R. beide PKV Versicherten Eheleute was sie an der PKV haben und die PKV Beiträge spielen in solchen Fällen in aller Regel keine entscheidende Rolle. Den auch hier gibt es Gestaltungsmöglichkeiten, wenn man z.B. rechtzeitig vor der Mutterschaftszeit die Arbeitszeit so reduziert, dass eine GKV versicherungspflichtige Tätigkeit aus dem Beschäftigungsverhältnis wird.

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