Drogenarzt-Prozess erneut aufgerollt
Drogenarzt-Prozess erneut aufgerollt

Am 19. September 2009 schockierte ein Arzt und Psychotherapeut die Öffentlichkeit, nachdem zwei Patienten in seiner fragwürdigen Gruppensitzung mit illegalen Drogen den Tod fanden. Nun darf sich Garri R. nach erfolgreicher Revision gegen seinen Urteilsspruch vom Mai 2010 erneut vor dem Berliner Landgericht verantworten. Damals war er wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Außerdem wurde ihm die Zulassung lebenslänglich entzogen. Der Bundesgerichtshof hob dieses Urteil im Januar 2011 jedoch auf, weil der Vorsatz der Körperverletzung in dem Urteil des Berliner Landgerichtes nicht "nachvollziehbar" begründet sei. In dem neuen Verfahren soll nun geprüft werden, ob nicht stattdessen "fahrlässiges" Handeln des Arztes vorgelegen habe. Der Beschuldigte kann auf ein milderes Urteil hoffen.

Angeklagter zeigt erneut Reue

Der 52-Jährige Mediziner gab sich zu Beginn des Wiederholungsprozesses gegenüber Angehörigen und Opfern seiner Behandlung erneut reumütig: "Ich bekenne mich schuldig und ich bereue zutiefst meinen Fehler." Wie schon im ersten Verfahren berief sich der sogenannte Drogenarzt auf einen "fatalen Fehler" beim Abwiegen von Ecstasy. "Ich habe keine Gefahr für das Leben der Patienten und keinen Zusammenhang mit den Drogen gesehen", verlas Garri R seine Stellungnahme.

Drogensitzung geriet außer Kontrolle

Damals hatte der Psychotherapeut im Rahmen einer "psycholytischen Intensivsitzung" – eine in Deutschland wissenschaftlich nicht anerkannte bewusstseinserweiternde Behandlung – sieben Patienten einen Cocktail aus teilweise illegalen Drogen verabreicht. Nach Aussage des Angeklagten habe er die Gruppe über die Substanzen und deren Wirkung aufgeklärt. Trotzdem geriet die Sitzung schnell außer Kontrolle, einzelne Patienten wurden panisch. Eine herbeigerufene Notärztin konnte nicht mehr helfen. Ein 59-jähriger Rentner starb noch in der Praxis. Ein 26-jähriger Student starb im Krankenhaus. Fünf weitere Patienten mussten mit Vergiftungserscheinungen und Bewusstseinsstörungen ebenfalls in die Klinik eingeliefert werden. "Ich wollte immer nur helfen, ich bin zutiefst erschüttert und fühle unendliche Trauer", sagt Garri R. nach wie vor.

Fehlfunktion der Waage?

Nach der ersten Urteilsverkündung kam der Mediziner aus der Untersuchungshaft frei und hatte sich nach eigenen Angaben umgehend beim Hersteller nach Fehlfunktionen der Waage erkundigt. Das brachte ihm aber keine Aufklärung. Die Menge Ecstasy kam dem Arzt im September 2009 etwas zu groß vor. Deshalb habe er das Messgerät überprüft und nochmals abgewogen. Schließlich habe er sich auf die Waage verlassen und eine unterschiedliche Körnung in Betracht gezogen.