Drohung mit Krankschreibung im Ausnahmefall ohne Folgen
Drohung mit Krankschreibung im Ausnahmefall ohne Folgen

Der Fahrer sollte für seine Firma noch mehr Aufträge erledigen, als es eigentlich vorgesehen war. Eine Büromitarbeiterin hatte ihn unterwegs angerufen und ihm einen weiteren Auftrag angekündigt, wenn er zurück in der Firma sei. Bereits am Telefon sei der Mann sehr verärgert gewesen und habe unangemessen heftig reagiert, so die Mitarbeiterin. Als die Ehefrau des Firmeninhabers ihm bei seiner Rückkehr erklärte, er müsse nach ungefähr vier Stunden Freizeit noch eine Fahrt machen und danach im Wagen übernachten, weigerte sich der Kläger. Seine wöchentliche Arbeitszeit sei ausgereizt, er werde diese Arbeit nicht ausführen. Auch als die Ehefrau des Inhabers darauf bestanden habe, weigerte sich der Mann und machte seine Meinung sehr laut deutlich. Er werde das alles nicht mehr mitmachen. "Ich gehe jetzt zum Arzt und lasse mich krankschreiben. Vor drei Wochen habe ich mit bei der Arbeit den Fuß verletzt."

Fristlose Kündigung nach Drohung mit Krankschreibung

Der Fahrer ließ den Worten Taten folgen. Er rief später in seiner Firma an und teilte mit, dass er krankgeschrieben sei. Daraufhin erhielt er von seinem Arbeitgeber die fristlose Kündigung. Als Begründung gab der Firmeninhaber an, sein Fahrer habe die Krankheit nur vorgeschoben. Er sei in Wirklichkeit gar nicht krank, sondern habe nur an diesem Tag nicht mehr arbeiten wollen. Wird eine Krankschreibung angedroht, so sei das ein Grund für eine fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber hatte im Grundsatz Recht. Nach der Rechtssprechung des Bundesarbeitgerichtes (BAG) kann ein solches Verhalten durchaus mit einer Kündigung geahndet werden. (BAG Aktenzeichen 2 AZR 251/07)

Fahrer war tatsächlich verletzt  

Es ist ein Anzeichen für eine vorgetäuschte Krankheit, wenn die Drohung mit der Krankschreibung eine Reaktion auf eine Aktion des Arbeitgebers ist. In vielen Fällen geht es dabei um die Verweigerung von Urlaub oder die Befreiung von der Arbeit. Auch wenn dann die Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers attestiert wird, so kann das vorherige Benehmen des Arbeitnehmers gegen die Glaubwürdigkeit und den Beweiswert der Bescheinigung stehen. Eine fristlose Entlassung ist in solchen Fällen durchaus möglich und rechtlich einwandfrei. Doch im vorliegenden Fall hatte sich der Kraftfahrer vorher verletzt. Als er die Drohung aussprach, war er tastsächlich krank. Als er am gleichen Tag zum Arzt ging, musste seine Verletzung chirurgisch behandelt werden. Auch die Berufsgenossenschaft erkannte die Fußverletzung als Arbeitunfall an.

Verweigerung der zusätzlichen Arbeit war rechtens

Deshalb, so die Mainzer Richter, musste der Kraftfahrer den zusätzlichen Auftrag seines Arbeitgebers nicht ausführen, auch wenn er sich nicht gleich am Tag seiner Verletzung behandeln und sofort krankschreiben ließ. In einem solchen Fall könne man nicht von mangelndem Arbeitswillen ausgehen. Zum Zeitpunkt der Ankündigung der Krankschreibung bestand die Krankheit schon. Auch konnte das Gericht nicht erkennen, dass der Fahrer ökonomische Nachteile für seinen Betrieb verursacht hätte, und das nur wegen eines unliebsamen zusätzlichen Auftrages. In diesem Fall war die fristlose Kündigung nicht angemessen und musste zurückgenommen werden. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.

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