Ein runder Geburtstag: Die Pille wird 50
Ein runder Geburtstag: Die Pille wird 50

Die Antibabypille ist heute das Verhütungsmittel Nummer eins. Betrachtet man die Gruppe der 20- bis 44jährigen Frauen, so schützen sich 55 Prozent damit gegen eine ungewollte Schwangerschaft. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in Köln erklärte zum 50. Geburtstag: “Der Siegeszug der Pille ist ungebrochen.” In den Anfangszeiten gab es nur ein einziges Präparat, das ein Jahr nach seiner Einführung in den Vereinigten Staaten mit dem Namen “Anovlar” in Deutschland zugelassen wurde. Heute gibt es verschieden Arten des Verhütungsmittels. Fast jede Pille enthält die weiblichen Hormone Östrogen und Gestagen in unterschiedlichen Dosierungen und Zusammensetzungen. Alle diese Präparate gaukeln im Grunde dem Organismus eine Schwangerschaft vor. So wird der Eisprung unterdrückt, und wenn es doch eine befruchtete Eizelle geben sollte, ist die Gebärmutter nicht bereit, sie aufzunehmen.

Nebenwirkungen

Nicht nur die Vielfalt der Präparate hat sich verändert, sonder auch ihre Zusammensetzung. Zunächst steckten in einer Pille sehr viele Hormone. Das verursachte recht unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen, Schwindel und Kopfschmerzen. Doch die Frauen nahmen das alles in Kauf, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Diese Nebenwirkungen waren für viele auch leichter zu ertragen als rabiate Abtreibungsversuche. Mit der Zeit wurde herausgefunden, dass bereits kleine Hormonmengen ausreichend sind, um eine Schwangerschaft zu verhüten. Die unangenehmen Nebenwirkungen wurden weniger, doch ganz wurden sie nicht abgebaut.

Pille ist ein Medikament

Risiken gibt es noch immer. Die ganz neuen “Vierphasenpillen” sollen mit natürlichen Östrogenen bestückt sein und deshalb den Hormonzyklus genauer nachahmen können. Bei anderen Präparaten liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch von Gestagenen. Doch der Mediziner Wolfgang Becker-Brüser, der das “Arznei-Telegramm” herausgibt, warnt vor allzu großer Sorglosigkeit. Die Gefahr von Thrombosen ist bei diesen Pillen größer als bei den älteren Modellen. Zwar versprechen die Hersteller einen positiven Einfluss der neuen Präparate auf die Haut, und auch die Gewichtsprobleme sollen gemildert sein. Doch welche Pille für welche Frau am günstigsten ist, sollte der Beratung des Frauenarztes überlassen bleiben.

Risiken

Die Pille ist unwidersprochen eine sehr zuverlässige Methode zur Schwangerschaftsverhütung. “Allerdings bleibt sie ein Hormonpräparat mit Risiken und gehört nicht in den Lifestylebereich, wie es manche Pharmafirmen vortäuschen möchten, ” macht Wolfgang Becker-Brüser deutlich. Sie sind zwar selten, doch immerhin bestehen Risiken von Blutgerinnseln in den Beinen oder sogar Lungenembolien. Andererseits wollen einige Studien eine Schutzfunktion der Pille vor bestimmten Krebsarten nachgewiesen haben.

Reproduktionen

Einer der Pillen-Macher, der amerikanisch-österreichische Chemiker Carl Djerassi, sieht das Ende der Pille bereits heraufziehen. Er ist inzwischen 86 Jahre alt und hat sich in seiner Autobiografie als “Mutter der Pille” bezeichnet. Er hat eine ganz eigene Sicht der Dinge. Sexualität und Fortpflanzung seien schon längst getrennt. Deshalb könnten junge Männer ihre Spermien, Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen. “Wenn ein Paar sich dann für Kinder entscheidet, kann es darauf zurückgreifen.” Bei einem solchen Szenario könnten sich Männer gleich sterilisieren lassen. “Das wäre die beste Verhütung, und so wird es auch kommen.”  Vorteile hätte ein solches Prozedere: Frauen müssten keine gesundheitlichen Risiken mehr in Kauf nehmen. Die Verantwortung für die Familienplanung würde endlich auf beide Partner gleichermaßen verteilt.

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