Untersuchung
An die mögliche Berufsunfähigkeit denken nur wenige. © panthermedia.net / Werner Heiber

Die Anzahl der abgeschlossenen Verträge zur Berufsunfähigkeit (BU) hat in den letzten Jahren trotz wachsender Beschäftigtenzahlen deutlich abgenommen. Das bestätigen jetzt auch die veröffentlichten Zahlen für 2014 vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Das trifft sowohl auf die Absicherung der Berufsunfähigkeit in Verbindung mit einer Renten- bzw. Altersvorsorge oder Lebensversicherung als auch auf die selbstständig abgeschlossene Berufsunfähigkeitsversicherung zu.

Warum sinken die Zahlen für Abschlüsse von BU-Versicherungen?

Der Preiswettbewerb zwischen den Versicherungsgesellschaften führt zu relativ niedrigen Tarifen für eher selten von der Berufsunfähigkeit betroffene Beschäftigungen, während die Versicherungsprämien für die besonders risikoträchtigen Berufe deutlich erhöht wurden. Die dort tätigen Arbeitnehmer können sich die Prämien für einen ausreichenden Versicherungsschutz gegen Berufsunfähigkeit zu einem großen Teil nicht mehr leisten und hoffen darauf, dass sie persönlich nicht von einer solchen betroffen werden. Diejenigen, die sich weiterhin für den Versicherungsschutz gegen die finanziellen Folgen der Berufsunfähigkeit entscheiden, wählen zunehmend eine monatliche Rente von mindestens eintausend Euro. Neben der Prämienhöhe führt auch der restriktive Umgang der Versicherer mit Vorerkrankungen zu einer Verringerung der Anzahl an Vertragsabschlüssen, da diese einen beachtlichen Anteil der Antragsteller nicht oder nur gegen Zahlung hoher Risikozuschläge annehmen.

Die Bedeutung der BU-Versicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung stellt eine wichtige Versicherungsart dar, da die gesetzliche Rentenversicherung eine Erwerbsunfähigkeitsrente nur auszahlt, wenn der Beitragszahler keine denkbare bezahlte Berufstätigkeit an mehr als drei Stunden für die Vollrente beziehungsweise sechs Stunden für eine Teilrente ausüben kann. In der Berufsunfähigkeitversicherung ist hingegen der konkrete Beruf geschützt. Verträge mit einer möglichen Verweisung auf ähnliche Tätigkeiten sind zwar mit deutlichen Beitragsverringerungen verbunden, aber aufgrund des umfassenden Begriffs der Ähnlichkeit nicht ratsam.

Alternativen zur BU-Versicherung

Nach den Ergebnissen der GDV finden Alternativen wenig Gehör. Die Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt ebenso wie der Invaliditätsschutz der gesetzlichen Rentenversicherung nur bei einer Unfähigkeit zur Ausübung einer jeden beliebigen Erwerbstätigkeit. Eine Unfallversicherung leistet eine dauerhafte Rente, wenn die Berufsunfähigkeit durch einen Unfall ausgelöst wurde. Tatsächlich führen psychische Erkrankungen häufiger als Unfallereignisse zur Berufsaufgabe. Weitere Ersatzlösungen für eine BU-Versicherung sind die Grundfähigkeitsversicherung und die Multi-Risk-Versicherung, deren Vertrag jeweils eine lebenslange Rente vorsieht.

Eine Dread-Disease-Versicherung zahlt hingegen üblicherweise bei einer versicherten Diagnose einen hohen Einmalbetrag aus, der sich jedoch für eine Rentenversicherung mit Einmalzahlung verwenden lässt. Bei den entsprechenden Abschlüssen verzichten die Versicherer zum Teil auf eine Gesundheitsprüfung und ersetzen diese durch eine Karenzzeit. Das bedeutet, dass der Versicherungsfall nicht innerhalb der ersten drei bis fünf Jahre nach der Vertragsunterzeichnung eintreten darf. In der Unfallversicherung sind Gesundheitsfragen ebenso wie eine Karenzzeit unüblich.