Elektronische Gesundheitskarte kommt bis Ende 2011
Elektronische Gesundheitskarte kommt bis Ende 2011

Nachdem ihre Einführung mehrfach verschoben wurde, soll sie nun doch kommen: Die elektronische Gesundheitskarte. Die Regierung hat beschlossen, dass die Krankenkassen bis zum Jahresende 2011 rund zehn Prozent ihrer Versicherten mit der neuen Karte ausstatten müssen. Wird diese Forderung nicht erfüllt, so werden die Zuschüsse für die Verwaltungskosten der Krankenkassen um zwei Prozent gekürzt. Auf der elektronischen Gesundheitskarte sollen langfristig Notfalldaten von Patienten und wahrscheinlich sogar Rezepte abgelegt werden. Welche Daten aber genau gespeichert werden, wird erst in den nächsten drei Wochen geklärt werden. Der Nutzen der elektronischen Gesundheitskarte ist stark umstritten. Experten kritisieren, dass sie für Versicherte keine neuen Vorteile bietet. Zudem kostet ihre Einführung die Krankenkassen mehrere Millionen Euro.

Zu wenig Vorteile für die Patienten

Neben der Verteilung der Gesundheitskarte an die Versicherten müssen die Krankenkassen die Arztpraxen und Krankenhäuser mit neuen Lesegeräten ausstatten, was Millionenkosten verursacht. Der Vorsitzende der AOK Nordwest, Dr. Dieter Paffrath, kritisierte, dass der Bund zu wenig auf die Vorteile für die Versicherten geachtet habe, als er die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen hat. Die neue Chipkarte sei zwar verwechslungssicher, weil auf ihr ein Foto des Patientens abgebildet ist. Abgesehen davon gebe es aber momentan noch nicht viele Vorteile für die Versicherten.

Heftige Krtitik gibt es auch von der Ärzteschaft. Dr. Robert Schulz, kommissarischer Landesvorsitzender der freien Ärzteschaft, beschuldigte die Bundesregierung, dass sie von der IT-Industrie zur Gesundheitskarte gedrängt wurde. Die Unternehmen wollen lediglich Gewinne machen. Letztendlich hänge es von der Akzeptanz der Versicherten und Ärzte ab, ob die Chipkarte tatsächlich eingeführt werde.

Ärztekammer verteidigt Gesundheitskarte

Der Präsident der Ärztekammer, Dr. Franz-Joseph Bartmann, verteidigte hingegen die elektronische Gesundheitskarte. Eine Karte mit Notfalldatensatz könne dafür sorgen, dass Patienten schneller geholfen wird. Als Beispiel nannte er den Fall, wenn ein Versicherter am Freitagabend ins Krankenhaus eingeliefert wird und sein Hausarzt vor Montag früh nicht erreichbar ist. Dann seien wichtige Informationen, etwa über Vorerkrankungen, von der Karte abrufbar. Wenn sich der Versicherungs- oder Familienstatus ändere, musste der Versicherte bisher immer eine neue Karte bekommen. Das würde durch die elektronische Gesundheitskarte nicht mehr nötig, so Bartman. Der bürokratischen Aufwand werde sich somit verringern.

Datensicherheit umstritten

Besonders kritisch gesehen wird die Datensicherheit der Gesundheitskarte. In Zeiten von Wikileaks sei klar, wie unsicher Daten sind, die auf zentralen Servern gelagert würden, so Dr. Robert Schulz. Er sprach sich dafür aus, den Patienten einen extra Datenträger mitzugeben, so dass sie selbst kontrollieren können, wer auf ihre Daten zugreift und wer nicht.

Bartmann hält jedoch nichts von dieser Variante. Er bezeichnete die Diskussion über die Datensicherheit als "paradox". Die Gesundheitskarte sei eigentlich als Instrument zur Sicherung von Daten gedacht, sagte Bartmann. Sie funktioniere wie ein Schlüssel, ohne den Krankenakten und Patientendaten nicht gelesen werden könnten. Zudem enthalte schon die alte Karte ähnliche Angaben von sensiblen Daten, zum Beispiel über die Vermögenssituation des Patienten.