Ersatzkassen: PKV-Wechsel nicht überstürzen
Ersatzkassen: PKV-Wechsel nicht überstürzen

Die gesetzlichen Krankenkassen sehen angesichts der Gesundheitsreform von Philipp Rösler (FDP) ihre Felle davonschwimmen. Die Reform sieht vor, dass Angestellte zum Jahresende einfacher in die private Krankenversicherung wechseln können. Daher befürchten die Krankenkassen nun, dass viele gut verdienende Mitglieder in der freiwilligen Versicherung abwandern könnten. Doch ein Wechsel in die private Krankenversicherung ist eine folgenschwere Entscheidung. Auch das Bundesversicherungsamt hatte vor kurzem davor gewarnt, aufgrund der vereinfachten Wechselbedingungen voreilig in die PKV zu wechseln. Dieser Schritt sollte gut überlegt sein, Interessenten sollten sich Angebote und Tarife verschiedener Unternehmen unterbreiten lassen.

Neue Bedingungen für den Wechsel

Gesundheitsminister Rösler hat im Zuge der Gesundheitsreform den Wechsel vereinfacht. Musste ein Angestellter bislang drei Jahre hintereinander mit dem Einkommen über der Versicherungspflichtgrenze liegen, ist dies ab 2011 nur noch ein Jahr lang notwendig. Für Angestellte, die jetzt schon über der Einkommensgrenze liegen und in die private Krankenversicherung wechseln möchten, hat der Gesetzgeber eine Sonderregelung zum 31. Dezember 2010 vorgesehen.

BVA empfiehlt sorgfältigen Vergleich

Schon Ende Oktober hatte das Bundesversicherungsamt, dem die Aufsicht vieler gesetzlicher Krankenkassen obliegt, darauf verwiesen, dass ein Wechsel trotz der neuen Einfachheit nicht voreilig entschieden werden sollte. Jeder Versicherte solle vor dem Wechsel in die private Krankenversicherung prüfen, ob dieser Schritt individuell sinnvoll sei. Bei vermeintlich lukrativen Lockangeboten sei besondere Vorsicht geboten. Vor allem im Internet wird häufig mit Dumpingpreisen für die PKV geworben (“PKV ab 59 Euro”), die kaum einzuhalten sind. Insbesondere Familien mit Kindern sollten den Wechsel sorgfältig prüfen, so der Verband der Ersatzkassen. Eine Familienversicherung in der privaten Krankenversicherung für Kinder ist zwar günstiger als für Erwachsene aber nicht kostenlos.

vdek: Lockangebote genau prüfen

Der vdek weist insbesondere auf günstige Angebote für junge Männer hin, die zwar anfänglich günstig sind, aber später durch Beitragserhöhung teurer werden. Diese Tarife für Einsteiger werden oft mit hohen Selbstbeteiligungen kalkuliert und legen junge, gesunde und alleinstehende Versicherte zugrunde.

Vor einer Entscheidung für die gesetzliche oder die private Krankenversicherung sollte immer die individuelle und persönliche Situation berücksichtigt werden. Auch die künftige Lebensplanung sollte eine Rolle spielen. Einsteigertarife können günstig sein, aber bei falscher Planung und Leistungsauswahl im Nachhinein teurer werden. 

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