Erste Nutzenbewertung für ein Medikament abgeschlossen
Erste Nutzenbewertung für ein Medikament abgeschlossen

Es handelt sich dabei um den Wirkstoff Ticagrelor, mit dem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems behandelt werden sollen. Der Zusatznutzen sei beträchtlich, so die Beurteilung des G-BA. Besonders Patienten mit einem sehr hohen Risiko für einen Herzinfarkt können danach von dem neuen Medikament profitieren. Auch sollen die Überlebenschancen nach einem Infarkt stark verbessert werden. Das stellten die Mitglieder des Ausschusses nach einer vielfältigen Prozedur von Gesprächen, Testverfahren und Anhörungen fest. Der Wirkstoff wird in Deutschland unter dem Namen „Brilique“ vertrieben werden. Der G-BA wird zukünftig immer wieder neue Mittel überprüfen und feststellen, ob die neuen Medikamente tatsächlich innovativ sind. Damit ist der Weg frei für erste Preisverhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Hersteller AstraZeneca.

Einsparungen durch Nutzenbewertung

Vor dem Arzneimittelgesetz der Regierungskoalition (AMNOG) konnten die Pharmahersteller die Preise für neue Arzneimittel in eigener Regie festsetzen. Doch nun müssen neue Medikamente bewertet werden. Nur bei einem realen zusätzlichen Nutzen zahlen die Krankenkassen einen neuen Preis, der zunächst einmal verhandelt werden muss. Kommt der G-BA zu dem Ergebnis, dass es keinen Mehrwert gibt, so wird das neue Arzneimittel in eine Festbetragsgruppe einsortiert. Höhere Preise kann der Hersteller dann nicht mehr verlangen.

Erstes Verfahren für den G-BA

Die Krankenkassen sehen in dem neuen Verfahren eine gute Chance für eine erhebliche Kostensenkung auf dem Arzneimittelsektor. Die Regierung in Berlin erwartet, dass rund zwei Milliarden Euro eingespart werden können. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) ist zuversichtlich, dass durch das neue Verfahren unnütze und zweifelhafte Medikamente gar nicht mehr auf den Markt kommen. Zunächst einmal hat der G-BA aber seine Feuertaufe bestanden. Der Vorsitzende des G-BA, Rainer Hess, zieht eine erste Bilanz. Der Ausschuss habe beweisen können, „dass er in der Lage ist, dieses neue Verfahren sach- und zeitgerecht durchzuführen“. Nun werde der Staffelstab an den GKV-Spitzenverband weitergegeben, der nun im Januar mit Preisverhandlungen beginnen könne.

Ohne Einigung entscheidet ein Schiedsspruch

Für den Hersteller ist ist das Prozedere ebenfalls Neuland. AstraZeneca wird der erste Pharmahersteller sein, der in Deutschland über den Preis eines Arzneimittels verhandeln muss. Die erste Verhandlung wird am 23. Januar stattfinden. Gerade weil es eine neue Situation ist, wird der Ausgang der Verhandlungen offen. Wenn es in während der nächsten sechs Monate keinerlei Einigung gibt, so wird eine unabhängige Schiedsstelle eingeschaltet, die dann den Preis festlegt.

Zufriedenheit über Ablauf und Entscheidung

Der gesamte Ablauf der neuen Bewertung war in diesem Fall besonders schwierig. Ticagrelor ist nach Aussagen von Wolfgang Kaesbach vom GKV-Spitzenverband ein Wirkstoff mit breiter und vielfältiger Anwendung. „Dafür waren wir mit vielen Schwierigkeiten des Verfahrens direkt am Anfang konfrontiert.“ Er ist von dem fundierten und präzisen Beschluss des G-BA sehr angetan. „Das ist eine fundierte Grundlage für die Verhandlungen zum Erstattungsbetrag.“ Das Gremium wird sich über einen Mangel an Arbeit nicht beklagen können. Im nächsten Jahr müssen mehr als 20 neue Medikamente auf ihren Nutzen überprüft werden.