„Wir müssen etwas im Sinne der Versicherten, nicht der Versicherungen tun“ – der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn setzte den privaten Krankenversicherungen im Rahmen der SWR-Talkshow „2+Leif“ gewissermaßen die Pistole auf die Brust. Er droht mit staatlichem Eingreifen, sofern die Unternehmen es nicht schaffen, den Kostenanstieg eigenständig zu meistern.

Damit stochert der Christdemokrat unvermindert weiter in einer Wunde, die nun schon seit Monaten klafft. Kaum ein anderes Thema wird mit so viel Inbrunst behandelt wie die Prämienentwicklung der PKV. „Die private Krankenkasse hat in sich Probleme. Das ist ohne Zweifel so. Sie hat hohe Beitragssteigerungen, die viele, die privat versichert sind, nicht mehr bezahlen können“, so Spahn.

Er kritisiert zudem die Intransparenz vieler Angebote und den Umstand, dass bei den privaten Krankenversicherungen viele Tarife weniger Leistung bieten als die gesetzlichen Kassen – zum Beispiel im Rahmen der Psychotherapie oder bei Hilfsmitteln. Der Politiker mahnt daher: „Viele Menschen denken, weil die Wartezeit beim Arzt kürzer ist, ist die Leistung bei der privaten Krankenkasse besser. Das gilt nicht bei allen privaten Versicherungstarifen.“

Zustimmung erhielt Jens Spahn von seinem Gesprächspartner, dem SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Aus seiner Warte müssen die Versicherten der PKV künftig mit enormen Beitragssteigerungen rechnen, die auf Dauer niemand bezahlen könne. „Die Leute, die jetzt 40 sind, müssen mit 1.200 bis 1.500 Euro Beitrag im Monat rechnen, wenn ich die jetzigen Beiträge über die nächsten 20 Jahre hochrechne“, prophezeite Lauterbach. Er geht davon aus, dass große Teile der privaten Krankenversicherung spätestens in zehn Jahre insolvent sein werden, falls nicht eingegriffen wird.

Ein ähnliches Szenario wurde übrigens im Rahmen des Hauptstadtkongresses Medizin und Gesundheit zum Thema „Krankenversicherung 2020 – wie sind wir zukünftig versichert“ gezeichnet. Die Experten dort waren sich einig: Die PKV wird bald nicht mehr wiederzuerkennen sein.