Experten uneins über Entwicklung des Zusatzbeitrags
Experten uneins über Entwicklung des Zusatzbeitrags

Die Finanzentwicklung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verlief 2011 deutlich besser als noch im Vorjahr 2010. Aktuell verfügt der Gesundheitsfonds sogar über eine Reserve von rund 8,6 Milliarden Euro. Erste Stimmen fordern da bereits eine Beteiligung der Versicherten in Form von Prämien. Doch nun sorgt eine Studie für erneute Verunsicherung bei den GKV-Mitgliedern: Die derzeitigen Rücklagen dürften schon im kommenden Jahr wieder aufgezerrt sein, berichtete das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” kürzlich unter Berufung auf Berechnungen der Unternehmens- und Strategieberatung “McKinsey”. Bereits im Jahr 2014 drohe ein Defizit in Höhe von mehr als neun Millarden Euro. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IFW) kommt dagegen zu völlig anderen Ergebnissen.

Gesundheitsfonds: Ausgaben wachsen schneller als Einnahmen

Den aktuellen Berechnungen von McKinsey zufolge, würden die zukünftigen Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen derzeit deutlicher steigen als die Einnahmen. Der Grund: Die Gesundheitsausgaben für Arzthonorare, Medikamente oder Krankenhausbehandlungen werden um durchschnittlich 3,9 Prozent im Jahr zunehmen, die Beitragseinnahmen dagegen aber nur um 1,4 Prozent, so die Beratungsgesellschaft in Anlehnung an den Schätzerkreis der gesetzlichen Krankenversicherung. 

Gefahr neuer Zusatzbeiträge spätestens 2014

Für die rund 70 Millionen Versicherten in der GKV könnte dies neue Zusatzbeiträge von durchschnittlich 15,50 Euro monatlich bedeuten. Die Zahlen von McKinsey bekräftigen dabei die Position von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der den Forderungen nach einer Beitragssenkung in der GKV keine Chance gibt. Das Milliardenplus werde dazu beitragen, dass die Beiträge auch bei einer Konjunkturdelle nicht gleich steigen, so der Minister Anfang Februar in einem Interview. Die Zusatzbeiträge werden zumindest in diesem Jahr “kaum ein Thema sein”, so Bahr. Derzeit fordern nur noch wenige gesetzliche Krankenkassen den in seiner Höhe unbegrenzten Extrabeitrag von ihren Mitgliedern (siehe Übersicht). Die meisten wollen den Beitrag zudem in den nächsten Wochen und Monaten streichen.

IfW: Plus der Krankenkassen steigt weiter an

Die aktuelle Untersuchung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) sagt dagegen eine weitaus positivere Finanzentwicklung der GKV voraus: Demnach soll der Milliardenüberschuss der gesetzlichen Krankenversicherung sogar noch zunehmen. Für 2012 berechnete das Institut Mehreinnahmen in Höhe von 5,7 Milliarden Euro, die sich zusammen mit den derzeitigen Kapitalreserven im Jahr 2013 zu einem Plus im Gesundheitsfonds von mehr als 20 Millarden Euro addieren. Allerdings ist das IfW von einer günstigeren Konjunkturentwicklung und Beschäftigungslage ausgegangen als die Experten von McKinsey.