Gekauftes Wildschwein beißt zu: Der Vorbesitzer muss zahlen
Gekauftes Wildschwein beißt zu: Der Vorbesitzer muss zahlen

Die Verantwortlichen im Bayernpark hatten 2009 entschieden, den Wildbestand zu reduzieren. Einige der bisher dort lebenden heimischen Tiere wurden an einen österreichischen Wildpark verkauft. Ein Keiler mit einem Gewicht von rund 150 Kilogramm sollte ebenfalls verkauft werde. Ein ausgebildeter Tierpfleger holte das Tier ab und wollte es nach Enghagen in seinen eigenen Wild- und Erlebnispark bringen. Der Mann hatte bereits öfter ähnliche Aufgaben durchgeführt und galt sogar als Experte für den Transport von exotischen Tieren. So soll er schon Nashörner für zoologische Gärten umgesiedelt haben. Doch das Wildschwein stellte ihn vor eine unlösbare Aufgabe. Nachdem er den Preis für das Tier gezahlt hatte, versuchte er mit einem Helfer den Keiler in einen Anhänger zu dirigieren. Eine Betäubung gab es nicht, denn das Tier galt als gutmütig und freundlich.

Wildschwein fällt neuen Besitzer an 

Doch an diesem Tag war der Keiler schlecht gelaunt oder wollte auch seine Heimat nicht verlassen. Er stieß das Absperrgitter um und rannte weg. Der neue Besitzer lief hinter dem Tier her und bot ihm Futter an, um es zurück in das Gehege zu locken. Doch das Wildschwein wurde äußerst aggressiv und griff seinen neuen Besitzer an. Der Keiler biss den Mann in den Unterarm, in die rechte Hand und in die Brust. Der Tierpfleger verlor dabei sogar Teile seines rechten Mittelfingers. Das Tier war nicht zu beruhigen und griff später auch die herbeigerufenen Notärzte an, die dem verletzten Mann helfen wollten.

Betreiber des Wildparks wollte nicht zahlen

Die Mitglieder des Notärzteteams mussten sich auf die Ladefläche eines Lastwagens retten, um dem Zorn des Keilers zu entgehen. Es war danach nicht mehr zu verhindern, dass das Wildschwein erschossen werden musste. Polizisten aus Dingolfing streckten den Keiler mit Maschinenpistolen nieder. Der Tierpfleger hatte lange mit seinen Verletzungen zu kämpfen. Er konnte seine rechte Hand nicht richtig bewegen. Er bekommt eine Rente, weil er zu 35 Prozent erwerbsunfähig ist. Doch das reichte dem Mann nicht aus. Er verlangte vom Betreiber des Bayernparks Geld für die Folgen des Keiler-Angriffs. Er forderte allein 20.000 Euro an Schmerzensgeld. Für seinem Verdienstausfall und weitere Folgen verlangte er rund 90.000 Euro, die er vor Gericht einklagen musste.

Vorbesitzer haftet bis zur erfolgreichen Übergabe   

In erster Instanz scheiterte der Tierpfleger. Das Landgericht Landshut wies die Klage zurück. Doch vor dem Oberlandesgericht in München hatte der Mann mehr Erfolg. Die Richterin widersprach der Auffassung des Betreibers, dass der Keiler bereits im Besitz des Klägers gewesen und dass damit die Haftung ausgeschlossen sei. Die Übergabe sei noch gar nicht erfolgt. Das Unternehmen habe seine Verpflichtung nicht erfüllt, „dass Tier ordnungsgemäß zu übergeben. Man hätte Sorge tragen müssen, dass beim Verladen des Tieres niemand zu Schaden kommt.“

Mitschuld des Klägers  

Allerdings habe der Kläger eine Mitschuld. Es sei doch sehr unvorsichtig gewesen, den Keiler ohne Betäubung einfangen zu wollen. „Und höchst unvorsichtig, ihn mit bloßen Händen einfangen zu wollen“, betonte die Richterin. Die gesamte geforderte Summe wurde dem Verletzten nicht zugesprochen, dem eine Mitschuld von 25 Prozent angerechnet wurde. Die Betreiber des Bayernparks müssen dem Kläger 7.500 Euro und 75 Prozent seines Verdienstausfalls zahlen. (Aktenzeichen 20 U 1121/12)

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