Geschäftergebnis für private Krankenversicherung im Aufwind
Geschäftergebnis für private Krankenversicherung im Aufwind

Abschaffung der Wartefrist zum Wechsel in die PKV, Arzneimittelrabatte und die Senkung der Versicherungspflichtgrenze bringen die privaten Krankenversicherer in eine ausgezeichnete Position. Die Nachteile der letzten Gesundheitsreform werden so im Grunde wieder rückgängig gemacht. Vor allem die Aufhebung der dreijährigen Wartefrist vor einem Wechsel von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung könnte Zulauf für die privaten Krankenversicherer bedeuten. Clemens Keller ist der Leiter Krankenversicherung beim Finanzberater MLP. Er sieht besondere Vorteile durch die Sonderregelung, nach der im Dezember 2010 bereits ein Wechsel möglich ist. Dazu muss nur in diesem Monat der Verdienst über der Versicherungspflichtgrenze liegen. Für 2011 steht dann dem Abschluss eines Vertrages für eine private Krankenversicherung nichts im Wege.

Neue Mitglieder stärken alle privat Versicherten

Doch es sind nicht nur die Unternehmen, die von der Reform profitieren. Niedrige Beiträge und attraktive Leistungen könnten vermehrt junge Kunden zu einem Eintritt in die PKV veranlassen. So verbessert sich die gesamte Risikostruktur, denn der Anteil an älteren Versicherten und den entsprechenden Krankheitskosten würde geringer. Ein Handicap der privaten Krankenversicherung ist der Anstieg der Beiträge bei älteren Versicherten. Doch wenn vermehrt junge Leute in die PKV drängen, können auch für die Älteren die Prämien länger und nachhaltiger stabil gehalten werden. Dafür steht ebenfalls die steigende Sicherheitsquote, die über die Höhe des Finanzpuffers Auskunft gibt.

Steigerung bei den PKV-Unternehmen

Die Unterstützung durch die Politik ist den privaten Krankenversicherern sicherlich willkommen, doch unbedingt nötig ist sie offensichtlich nicht. Der Finanzanalyst Morgen & Morgen hat in einem Bilanztest, der dem “Handelsblatt online” vorliegt, fünf wichtige Bilanzkennzahlen von 33 privaten Krankenversicherern untersucht. Für das Jahr 2009 konnten 14 Unternehmen allen Anforderungen genügen und mit der Einstufung “ausgezeichnet” punkten. Die Nürnberger, die Süddeutsche und die Victoria Krankenversicherung konnten ihre Ergebnisse verbessern. Gleiches gilt für die HanseMerkur und die Arag Krankenversicherung, die ihre Kennzahlen aufwerten konnten. Die durchschnittliche Sicherheit konnte bei allen Unternehmen erhöht werden.

Stabilität ist ein wichtiges Kriterium

“Insgesamt gibt es einen leicht positiven Trend bei der durchschnittlichen Solidität der Gesellschaften,“ erklärt der Geschäftsführer von Morgen & Morgen, Martin Zsohar. Kein privater Krankenversicherer des Bilanztestes hat mehr als drei Kriterien nicht erfüllt. Das bedeutet, dass es für keines der untersuchten Unternehmen bedrohliche Umstände gibt. Wenn es solche Gesellschaften gibt, sollten potentielle Kunden sie keinesfalls in Betracht ziehen. Doch die getesteten Unternehmen gehörten nicht dazu. Von den 33 Unternehmen haben 19 die Bewertung “bestanden” erreichen können.

Verwaltungskosten müssen gesenkt werden

Doch nicht in jedem Fall gibt es von privaten Krankenversicherern Positives zu berichten. Die Quote der Verwaltungskosten sinkt zwar im Durchschnitt um 0,2 Prozent, doch einige Gesellschaften haben hier “Ausreißer” zu verzeichnen. Auch bei den Wachstumsraten gibt es deutliche Unterschiede. Der Kundebestand wuchs konstant um 2,5 Prozent an, doch gibt es auch Versicherer, die mit sinkenden Zuwachsraten zu kämpfen haben. “Konstante oder steigende Versichertenzahlen sind langfristig für die Stabilität der Gesellschaft und Beiträge wichtig,“ erklärt Zsohar die Bedeutung dieser Zahlen.

Kostensteigerungen durch Arzneimittel  

Die meisten Unternehmen der Privatversicherung müssen sich aber mit einer weniger guten Entwicklung beschäftigegn. Die versicherungsgeschäftliche Ergebnisquote ist bei fast allen Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Diese Quote gibt an den Betrag an, der dem Versicherer nach Abzug aller Kosten zur Verfügung steht. Die Analysten vermuten, dass diese Entwicklung unter anderem den ständig steigenden Ausgaben für Medikamente geschuldet ist. Die Aussichten, dass diese Entwicklung bald aufgehalten wird, stehen gut. Denn nach den Vorstellungen des Gesundheitsministers sollen auch die privaten Krankenversicherungen von Rabattverhandlungen mit den Pharmaherstellern profitieren.