Gesundheitsökonom Beske verlangt Wahrheit von der Politik
Gesundheitsökonom Beske verlangt Wahrheit von der Politik

Das Thema der Diskussion in diesem Jahr: Versorgung in Gesundheit und Pflege morgen und übermorgen. Fritz Beske, dessen Kompetenz bei den wichtigen Fragen und Problemen im deutschen Gesundheitswesen außer Frage steht, wird bei dieser Veranstaltung wohl zum letzten Mal aufgetreten sein. Er will sich aus dem Tagesgeschäft zurückziehen. Sozusagen zum Abschied appelliert der kompetente Gesundheitsökonom an die politisch Verantwortlichen, endlich die Wahrheit über die Probleme zu sagen, die in der Zukunft das Gesundheitswesen beherrschen werden. Die ehrliche Auseinandersetzung mit den Herausforderungen sei nötig. Mehr als Aufrichtigkeit erwartet Beske nicht von der Politik, denn seiner Ansicht nach könne man nicht mehr verlangen. Die Lösungen für die Schwierigkeiten können nur von den Fachleuten im Gesundheitswesen erbracht werden. Doch der ehrliche Umgang mit den zukünftigen Herausforderungen ist die Voraussetzung für die Bewältigung der Probleme.

Verdrängen der Probleme bringt nichts

An den Podiumsdiskussionen nehmen immer die Vertreter der Heilberufe teil, die das jeweilige Thema aus ihrer Sicht beleuchten. Prof. Beske machte seinen Standpunkt klar, dass die Politik keine wirksamen Rezepte vorlegen kann. "Damit sollte man die Verbände im Gesundheitswesen beauftragen." Vor allem will Beske dran erinnern, dass es in absehbarer Zeit immer weniger Erwerbstätige geben wird, die immer mehr Kranke versorgen müssen. Auch die Zahl der Demenzkranken wird sich nach Ansicht aller Experten drastisch erhöhen. Bisher werden diese Probleme weggeschoben und verdrängt. Die Politik muss daran erinnert werden, dass diese Praxis kein gangbarer Weg sein kann.

Verbände müssen zusammenarbeiten

Teilnehmer an der Podiumsdiskussion war auch Dr. Klaus Bittmann. Der Vertreter der Ärztegenossenschaft sieht die Selbstverwaltung der Mediziner in der Pflicht. "Wir müssen den Schutz der eigenen Zäune verlassen", so Bittmann. Wenn sich die Heilberufe nicht zu einer Zusammenarbeit entschließen und ihre alten Vorrechte nicht loslassen können, so kann das zu Fremdbestimmung führen. Der Einfluss von privaten Investoren könnte so unangemessen zunehmen. Auch andere Akteure im Gesundheitswesen sehen in der eigenen Initiative die beste Antwort auf die Herausforderungen. Ein Bündnis der Vereine und Verbände im Gesundheitswesen könnte kompetente Vorschläge erarbeiten und die Lösungen der Politik zur Verfügung stellen.

Priorisierung ist ein Tabuthema

Für die Teilnehmer der Diskussion ist es völlig klar, dass das Gesundheitswesen in Zukunft über Priorisierungen nachdenken muss. Sicherlich wird das in der Praxis zu Leistungseinschränkungen führen. Dr. Rainer Hess, der Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses, bezweifelt diese Notwendigkeit keineswegs. Nur ist für ihn zumindest aktuell die Politik nicht in der Lage, darüber entscheidend nachzudenken oder zu diskutieren.

Politik soll den Weg bereiten

Das wiederum ist auch für Prof. Beske klar. Er ist nach wie vor der Ansicht, dass die deutschen Gesundheitspolitiker erst dann handeln, wenn es nicht mehr anders geht, „wenn das Dach eingestürzt ist“. Eine solche Art des Handelns hat unter Umständen schlimme Auswirkungen. Andere europäische Länder müssten im Moment große Belastungen und Nachteile hinnehmen, weil die Krise die Gesundheitssysteme völlig unvorbereitet getroffen habe. So etwas könne verhindert werden. Die Politik müsse den Handelnden im deutschen Gesundheitswesen nur einen entsprechenden Auftrag erteilen. "Der Ball liegt bei der Politik."