Gleiche Beitragssteigerungen für PKV und GKV
Gleiche Beitragssteigerungen für PKV und GKV

Nach Untersuchungen des IGES-Instituts sind die Beiträge in der privaten Krankenversicherung im Zeitraum von 1997 bis 2008 durchschnittlich um 3,9 Prozent jährlich angehoben worden. Im gleichen Zeitraum machten die Steigerungen der Beiträge für die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) nur 2,4 Prozent pro Jahr aus. DAV-Vorstand Heinz-Werner Richter widerspricht diesen Ergebnissen. "Solche Beitragsvergleiche hinken, weil es um zwei unterschiedliche Systeme geht." Wenn man solche Vergleiche anstellt, so muss das von einer einheitlichen Basis aus geschehen. Doch das habe das IGES versäumt. Auch Christian Hofer, Mitglied im Vorstand des Krankenversicherungsausschusses des DAV, widerspricht den Ergebnissen des IGES-Instituts. "Die Preissteigerungen im Gesundheitswesen sind erheblich, aber sie treffen beide Systeme", so sein Fazit.

Ähnliche Kostensteigerungen bei PKV und GKV  

Die Aktuare haben andere Zahlen ermittelt. Danach belaufen sich die Beitragssteigerungen in der PKV zwischen 1997 und 2009 auf 3,3 Prozent, für die GKV sind es 3,1 Prozent. Diese unterschiedlichen Ergebnisse haben ihre Ursache darin, dass die Berechnungen des IGES-Instituts bestimmte Faktoren außer Acht gelassen hätten. Im untersuchten Zeitraum sind für die Versicherten der GKV Leistungen gekürzt worden. Außerdem sei die Praxisgebühr eingeführt worden. Auch die Zuschüsse des Bundes aus Steuermitteln seien nicht berücksichtigt worden. Zwar habe das IGES-Institut darauf hingewiesen, dass man die Werte keinem direkten Vergleich unterwerfen könne, doch habe man die Zahlen trotzdem veröffentlicht, so die Kritik.  

Medizinische Inflation belastet beide Systeme  

Was die Beitragsentwicklung im System der privaten Krankenversicherung angeht, so habe man beim IGES-Institut nicht berücksichtigt, dass die Versicherungen seit 2000 einen zehnprozentigen Zuschlag auf die Beiträge erheben müssen. Das hatte der Gesetzgeber angeordnet, damit die Prämien im Alter weniger ansteigen. Auch habe die PKV keine Möglichkeit, auf steigende Kosten zum Beispiel mit Leistungskürzungen zu reagieren. Die privaten Krankenversicherer müssen die zugesagten Leistungen beibehalten und können steigende Kosten nur über Beitragserhöhungen abfangen. Beide Systeme haben letztlich das gleiche Problem, meint Richter. "Mit der Steigerung von drei Prozent liegen wir über der allgemeinen Inflationsrate." Die Ursache ist die Steigerung der Kosten im Gesundheitswesen, die medizinische Inflation.

Schaden für das Image der PKV  

Auch wenn die Beitragssteigerungen erklärbar und nachvollziehbar sind, so sind sich auch die Versicherungsmathematiker darüber klar, dass die sprunghaften PKV-Beitragserhöhungen ausgesprochen schädlich für das Image der Branche sind. Deshalb wollen die Aktuare die Diskussion über eine Änderung der gesetzlichen Vorgaben anregen. Bisher müssen die Unternehmen ihre Prämien anheben, wenn die tatsächlichen Ausgaben um einen bestimmten Prozentsatz höher sind als die vorher kalkulierten Leistungskosten. Dieser Prozentsatz wird als der "auslösende Faktor" bezeichnet, der in den Unternehmen verschieden hoch ist. In den meisten Fällen liegt er zwischen fünf und zehn Prozent.

DAV für Transparenz und Durchschaubarkeit

Die Aktuare plädieren dafür, dieses Verfahren zu ändern. Es ist ihrer Ansicht nach besser, in jedem Jahr zum 01. Januar die Beiträge zu überprüfen und dann anzupassen. So könnten sprunghafte Beitragsteigerungen vermieden werden. Zudem könnte man mit einer solchen Änderung "die Tarife transparenter und vergleichbar machen", regt Christian Hofer an.