Hebammen protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen
Hebammen protestieren gegen schlechte Arbeitsbedingungen

„Kinder sollen sicher und mit Freude geboren werden!“ So steht es als wichtiges Anliegen der Hebammen auf der Internetseite des Deutschen Hebammenverbandes (DHV). Er ist mit rund 17.500 Mitgliedern der größte Interessenverband der Geburtshelferinnen. Weiter ist dort zu lesen: „Wie in einer Gesellschaft mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett umgegangen wird, geht alle etwas an.“ Mit den geplanten Protestaktionen wollen die Hebammen eben diese Gesellschaft wachrütteln und ihre Probleme ins allgemeine Bewusstsein rücken. Zusätzlich werden die Hebammen vom 02. bis zum 05. Mai 2011 streiken. So wollen sie den Druck auf Krankenkassen und Politiker erhöhen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der DHV die finanzielle Lage vieler selbständiger Hebammen thematisiert.

Kosten sind entschieden zu hoch

Die Vorsitzende des DHV-Landesverbandes Schleswig-Holstein, Margret Salzmann, hofft auf Unterstützung vor allem von den Frauen in ihrem Bundesland. Es sei alarmierend, dass die Zahl der freiberuflichen Hebammen für Geburtshilfe und Wochenbettbetreuung stetig kleiner werde. Vor allem ist es die Erhöhung der Prämien für die Berufshaftpflichtversicherung, die viele Hebammen fast in den Ruin getrieben hat. Die Zahlungen haben sich seit 2007 nach den Angaben des Verbandes verdreifacht. Damit, so Frau Salzmann, verdiene eine Hebamme durchschnittlich weniger als fünf Euro netto pro Stunde.

Hebammen sind vertraute Begleiter

In Schleswig-Holstein haben 20 Prozent der freiberuflich tätigen Hebammen ihre Arbeit in der Geburtshilfe wegen dieser unzumutbaren Situation bereits aufgegeben. Seit Juli 2010 mussten 15 Prozent der Hebammen bundesweit ihre Tätigkeit auf dem Hauptfeld der Geburtshilfe einstellen. Grund waren immer wieder die hohen Kosten. Der DHV warnt vor einem drohenden Mangel an Hebammen. Zwar arbeiten noch viele von ihnen in der Vorsorge und Nachbetreuung von Schwangeren, doch bei der Geburt sind sie nicht mehr dabei. Doch gerade da, so der DHV, sei es wichtig, dass die werdende Mutter eine Vertraute an ihrer Seite hat.

Nur geringer Verdienst

Bei einem durchschnittlichen jährlichen Einkommen von 14.000 Euro fallen für eine freiberufliche Hebamme 3.700 Euro an Gebühren an. Schuld an der unhaltbaren Situation sei „die drastische Erhöhung der Berufshaftpflichtprämie für Selbständige im vergangenen Jahr und die Tatsache, dass es seit 2007, dem Beginn unserer Selbstverwaltung, keine Gebührenanhebung gegeben hat“, betont Margret Salzmann. Die Verbände wollen auf jeden Fall die wohnortnahe Versorgung für die werdenden Mütter erhalten. Schon im letzten Jahr hatte sich der DHV mit einer Petition im Internet für die Erhaltung des Berufs der Hebamme eingesetzt.

Politik nimmt die Hebammen nicht ausreichend wahr

Es waren knapp 187.000 Frauen und Männer, die die Petition unterstützt haben – ein Beweis, wie wichtig die Tätigkeit der Hebammen für die Gesellschaft ist. Eine Sprecherin des DHV sagte, dass das Gesundheitsministerium eine Studie initiiert habe, die über die Versorgung in ganz Deutschland Auskunft geben sollte. Philipp Rösler hat einen runden Tisch versprochen, um Lösungen für die existenziellen Probleme der Hebammen zu finden. Aber bisher ist es bei Versprechungen und Ankündigungen geblieben. Auch deshalb wollen die Hebammen den Druck erhöhen, denn sie fühlen sich im Stich gelassen und nicht ernst genommen. Bereits Weihnachten 2010 hatte die Nordelbische Kirche 22.000 Unterschriften gesammelt, um die Hebammen zu unterstützen. Philipp Rösler hat diese Unterschriften nicht annehmen können. „Die Zeit hat er noch nicht gefunden“, sagte Frau Salzmann.

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