Heilung unter Vorbehalt: Leukämie-Patienten vorerst gesund
Heilung unter Vorbehalt: Leukämie-Patienten vorerst gesund

Ob es den französischen Forschern tatsächlich gelungen ist, Leukämie dauerhaft zu heilen, wird die Zeit zeigen. Deutsche Experten bleiben skeptisch und auch die Forscher aus Bordeaux um Professor François-Xavier Mahon wollen sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Die 69 Teilnehmer der französischen Studie, an der sich 19 Kliniken in ganz Frankreich beteiligten, nahmen alle seit mindestens zwei Jahren Medikamente mit dem Wirkstoff Imatinib und stimmten der Absetzung im Rahmen der Studie zu. Viele von ihnen klagten vorher über heftige Nebenwirkungen. Imatinib kann unter anderem Übelkeit, Ödeme, Flüssigkeitsansammlungen im Brustkorb, Muskelkrämpfe und Hautausschläge hervorrufen. Nach Absetzen der Medikamente waren 41 Prozent der Probanden ein Jahr lang frei von Blutkrebs, 38 Prozent sogar darüber hinaus bis zu zwei Jahre lang. Mahon zufolge konnte die Therapie mit Imatinib bei rückfälligen Patienten ohne Probleme wieder aufgenommen werden und bekämpfte den Krebs weiterhin erfolgreich, wie die Forscher aktuell in der britischen Fachzeitschrift Lancet Oncology berichten.

Therapie-Ende nur bei zehn Prozent der Patienten möglich

Ein Absetzen der Medikamente ist leider nur bei wenigen Leukämie-Patienten möglich. Erfolgsversprechend sind die Forschungsergebnisse vor allem für Betroffene der chronisch-myeloischen Leukämie (CML), doch auch von ihnen können nur etwa zehn Prozent auf ein Ende der Imatinib-Therapie hoffen. CML tritt meist im mittleren Alter auf und ist bei der Diagnose meist schon chronisch, etwa 2.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland daran. Verursacht wird CML durch einen angeborenen Gendefekt, der eine Überproduktion von weißen Blutkörperchen zur Folge hat. Der Defekt wird bisher von Imatinib unterdrückt und ermöglicht Betroffenen ein relativ normales Leben mit der chronischen Krankheit.

Zielgerichtete Krebstherapie dank Imatinib

Die Entwicklung des Imatinib-Wirkstoffs galt bisher als Meilenstein in der Krebsforschung, weil er im Vergleich zu seinen Vorgängern geringere Nebenwirkungen mit sich bringt, gezielt in die Krebszellen eindringt und die unkontrollierte Zellteilung stoppt ohne gesunde Zellen anzugreifen. Das Absetzen des Medikaments „Glivec“ hatten Ärzte bisher ausgeschlossen, um das Rückfallrisiko zu verringern. Dass die Patienten dauerhaft ohne die Arzneimittel auskommen, muss in weiteren Studien belegt werden.

Alternativmedikamente sind verträglicher und teurer

Dass Imatinib trotz der Revolution in der Krebstherapie nicht der Weisheit letzter Schluss ist, zeigen die Nachfolgepräparate Dasatinib und Nilotinib: Sie seien Mahon zufolge deutlich wirksamer und besser verträglich. Sein Team hofft auf den vermehrten Einsatz dieser Medikamente und infolgedessen auf eine höhere Quote „geheilter“ Patienten. Der Grund für die häufigere Verwendung von Imatinib liegt wie in den meisten Fällen im Kostenpunkt. Die Therapiekosten belaufen sich für Imatinib auf etwa 40.000 Euro, bei den beiden neuen Medikamenten auf rund 70.000 Euro pro Jahr.

Kommentare