Hygiene in Krankenhäusern soll strenger kontrolliert werden
Hygiene in Krankenhäusern soll strenger kontrolliert werden

In jedem Jahr gibt es in deutschen Kliniken mehr als 600.000 Patienten, die sich im Krankenhaus mit Keimen infizieren. Bis zu 40.000 Menschen überleben diese Infektionen nicht. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach macht mangelnde Hygienestandards für diese Zustände verantwortlich. “Offenbar müssen erst Leichen auf der Straße liegen, bis einige Bundesländer aufwachen und ihrer Verantwortung gerecht werden.” Für die Hygienevorschriften sind die einzelnen Bundesländer zuständig. Gesundheitsminister Philipp Rösler hat die Absicht, die Hygienevorschriften in Krankenhäusern anlässlich der Gesundheitsministerkonferenz von Bund und Ländern zum Thema machen. Gesundheitsexperten von FDP und CDU wollen bundesweite Regelungen so schnell wie möglich in Kraft setzen, doch Rösler will die Problematik zunächst mit den Ländern erörtern.

Regelung für alle Länder gefordert

Ulrike Flach, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, will mit einer Initiative eine bundesweite Regelung einfordern. “Wir haben auf dem Gebiet der Krankenhaus-Hygiene ein großes Problem, auf das der Gesetzgeber dringend reagieren muss,” sagte Frau Flach in einem Gespräch mit der “Neuen Osnabrücker Zeitung”. Die meisten Bundesländer haben noch keinerlei Hygienevorschriften erlassen. Auch der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn pocht auf eine bundesweite Regelung. “Immer wieder haben wir uns auf Zuständigkeiten der Länder und der Krankenhäuser verlassen. Das scheint aber nicht zu reichen.”

Gefahren durch Sparmaßnahmen

Es gibt eine Maßnahme, die von allen Seiten auf große Zustimmung stößt. gefordert wird, ist die Einstellung von Hygienebeauftragten. Doch damit taucht ein weiteres Problem auf, das der Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft thematisiert hat. Georg Baum warnte die Bundesregierung vor weiteren Sparmaßnahmen an den Kliniken. “Sicherheit kostet auch Geld.” Wenn die entsprechenden Pläne des Gesundheitsministers umgesetzt werden, so könne das nur zu Lasten des Personals geschehen. “Risiken sind nicht auszuschließen.”

Ohne finanzielle Mittel keine Sicherheit

Man habe nichts gegen eine bundesweite Regelung einzuwenden. Auch habe niemand ein Problem damit, wenn die Kliniken mehr Hygienepersonal einstellen müssten. “Aber die Politik muss sich im Klaren sein, dass für so veränderte Standards auch mehr finanzielle Ressourcen bereitgestellt werden müssen,” gibt Georg Baum zu bedenken. Ob mehr Personal, neue Testverfahren oder erweiterte gesetzliche Bestimmungen – das alles ist nur mit mehr Geld zu realisieren. Die geplante Gesundheitsreform soll nach dem Willen der Bundesregierung auch für die Kliniken Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Euro bringen.

Mehr Personal für höheren Schutz  

Jedes Krankenhaus wird alles tun, um nicht wegen mangelnder Hygiene in die Schlagzeilen zu geraten. Neben dem Schaden für Ruf und Ansehen verursachen die Infektionen auch weitere Kosten. Die Krankenhäuser hätten deshalb selbst eine Aktion mit dem Namen “Saubere Hände” ins Leben gerufen, so Baum. Zudem gebe es an 60 Prozent der deutschen Kliniken bereits Beauftragte in Sachen Hygiene. Eine solche Lösung ist auch für die Ärztegewerkschaft “Marburger Bund” der richtige Weg. Eine bundesweite Regelung sei weniger wirkungsvoll. Die Gesellschaft für Krankenhaushygiene verlangt ebenfalls Fachpersonal. Der Sprecher der Gesellscsahft, Klaus-Dieter Zastrow, erklärt die Gründe. Hygienestandards müssen kontrolliert werden, “und zwar durch Fachpersonal, das ständig im Haus ist und den anderen auf den Wecker geht, weil es immer wieder nachhakt.“                                                     
  

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