IGel-Monitor macht Leistungen für Patienten transparent
IGel-Monitor macht Leistungen für Patienten transparent

Jeder Kassenpatient kennt diese Situation. In der ärztlichen Praxis erklärt der Arzt, dass es da sehr wichtige Untersuchungen für die Beschwerden des Patienten oder auch zur Früherkennung gebe, die aber die Krankenkassen nicht bezahlen. Als Laie kann kaum ein Patient beurteilen, ob die angebotenen Untersuchungen und Testverfahren tatsächlich sinnvoll oder gar notwendig sind. Das Geschäft boomt, denn in jedem Jahr zahlen deutsche Patienten ungefähr 1,5 Milliarden Euro für IGel an die Ärzte. Die Krankenkassen sehen das Vorgehen der Ärzte eher kritisch. "In vielen Fällen sind diese Leistungen ein großes Ärgernis. Und nicht nur das, sie sind sogar medizinisch bedenklich", sagt Doris Pfeiffer, die Chefin des GKV-Spitzenverbandes. Deshalb hat der Medizinische Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) ein Internetportal etabliert, das die Patienten über die IGel informiert, aufklärt und sie auch bewertet. Finanziert wird das Portal vom GKV-Spitzenverband.

Ärzte handeln oft aus eigenem Interesse  

Bisher werden noch nicht alle Leistungen bewertet, die von den Ärzten angeboten werden. 24 medizinische Untersuchungen werden bei www.igel-monitor.de aufgeführt und nach fünf Kategorien eingestuft: Positiv, tendenziell positiv, unklar, tendenziell negativ und negativ. Im Lauf der nächsten Jahre sollen die Bewertungen des IGel-Katalogs weiter ausgebaut und ergänzt werden. Das Internetportal will den Patienten bei der Einordnung und Beurteilung der Leistungen helfen. Doris Pfeiffer stellt ihre Sicht der Dinge so dar: "Bei den IGel-Leistungen geht es vorrangig um wirtschaftliche Interessen von Ärzten und nicht um notwendige medizinische Leistungen für Kranke."

Informationen für größere Transparenz

Peter Pick, der Geschäftsführer des MDS, will in jedem Monat eine neue Leistung im Internetportal einstellen und bewerten. In ein bis zwei Jahren soll die Beurteilung aller Leistungen aus dem Internet abgerufen werden können. Die Schritte, die zu einem bestimmten Urteil geführt haben, sind genau aufgeführt. Laien können sich mit kurzen und zusammenfassenden Ergebnissen informieren, für Fachleute gibt es ausführlichen und detaillierte Angaben. So können auch die Ärzte genau nachvollziehen, wie die Bewertungen entstanden sind. Zusätzlich informiert das Internetportal darüber, was die gesetzlichen Krankenkassen bei den entsprechenden Beschwerden zahlen. Eine weitere durchaus wichtige Information bezieht sich auf die Preise, die für die IGel verlangt werden.

Erste Bewertungen fallen tendenziell schlecht aus  

Bisher sind die Beurteilungen allgemein gesehen nicht besonders gut. Von den 24 gelisteten Untersuchungen sind sieben als "tendenziell negativ", vier sogar als "negativ" eingestuft worden. Der Nutzen von sieben weiteren Angeboten wurde als "unklar" bewertet. Lediglich zwei Untersuchungen für Selbstzahler, die Lichttherapie bei der sogenannten Winterdepression und die Vorbeugung bei Migräne, wurden mit "tendenziell positiv" bewertet. Vier der IGel gehören ohnehin nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen.

Internetportal als Entscheidungshilfe

Die Krankenkassen stehen den IGel ohnehin eher skeptisch gegenüber. Sie wollten in dem neuen Gesetz zur Stärkung der Patientenrechte eine Sperrfrist von 24 Stunden durchsetzen, bevor ein Patient einer Untersuchung zustimmen kann. Doch die GKV konnte sich mit dieser Forderung nicht durchsetzen. Mit dem neuen Internetangebot wollen die Krankenkassen nun die Patienten informieren und ihnen damit die Grundlage für eine Entscheidung bieten. Neben der Bewertung der Untersuchungen findet der Patient im IGel-Monitor auch Aufklärung über die psychologischen Manipulationen der Ärzte sowie Anregungen und Vorschläge, wie man sich im konkreten Fall verhalten sollte.

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