Jeder zweite Arzt spart bei Behandlungen für Patienten
Jeder zweite Arzt spart bei Behandlungen für Patienten

Rund 42 Prozent der über 1.800 Befragten befürchten, dass sich die Gesundheitsversorgung verschlechtern wird. Sie haben Angst, im Krankheitsfall nicht mehr die notwendige Behandlung zu bekommen. Auch hat mehr als ein Drittel der Befragten den unangenehmen Eindruck, dass sie aus Kostengründen schon einmal nicht angemessenen behandelt wurden. Dieser Eindruck kommt nicht von ungefähr, denn mehr als die Hälfte der ebenfalls befragten 524 Ärzte gab an, sie hätten Behandlungen aus finanziellen Gründen nicht durchgeführt. Dieses schlechte Gefühl ist bei den Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen sehr viel mehr verbreitet als bei Privatpatienten. 38 Prozent der gesetzlich Krankenversicherten hatten schon Befürchtungen in diese Richtung, doch nur neun Prozent der Mitglieder einer privaten Krankenversicherung hatten den Verdacht auf unzureichende Behandlung.

Ergebnisse kein Anlass zu ernsthafter Sorge   

Die Ergebnisse müsse man sich genau ansehen, meint der Vizepräsident der Bundesärztekammer. Frank Ulrich Montgomery sagt aber auch, dass sich niemand tatsächlich Sorgen machen müsse. Bei den nicht durchgeführten Behandlungen gehe es um Vorsorgeuntersuchungen und Behandlungen, die planbar sind. Auf keinen Fall seien lebensnotwendige Behandlungen nicht erfolgt, und auch Notfälle werden immer sofort behandelt. Montgomery verlässt sich auf die Aussagen seiner Kollegen bei Gesprächen und beim Informationsaustausch: "Wir kennen keine Fälle, wo Patienten zu Schaden gekommen sind."

Gesundheitsreform stößt auf Ablehnung  

Die Gesundheitsreform war ebenfalls ein Thema der Befragung. Hier waren Kritik und Bedenken außergewöhnlich umfassend. Trotz der Beitragsanhebung im nächsten Jahr und die Freigabe der Zusatzbeiträge glauben 75 Prozent der Versicherten und 93 Prozent der befragten Ärzte nicht an eine stabile und nachhaltige Finanzierung des Systems. Auch die Gerechtigkeit der Reform ziehen mehr als 70 Prozent sowohl der Bürger als auch der Ärzte in Zweifel. Die Regierung habe die Pharmabranche nicht ausreichend in die Pflicht genommen. Außerdem sei die Belastung für die Versicherten unangemessen hoch, so das vernichtende Urteil.

Vielfältige Gründe für Kostensteigerungen  

Die finanziellen Probleme der gesetzlichen Krankenversicherung sehen die meisten der Befragten in den zu hohen Preisen für Medikamente. Auch die demografische Entwicklung wird als Verursacher ausgemacht. Doch für über die Hälfte der Versicherten sind zu viele und unnötige Arztbesuche schuld an den Finanzproblemen im Gesundheitswesen. Das sehen auch 70 Prozent der Mediziner so.

Die Lösung: Mehr Eigenverantwortung 

Als Signal in die richtige Richtung wertet MLP-Vorstandschef Dr. Uwe Schroeder-Wildberg die Tatsache, dass die Bereitschaft  zur Eigeninitiative wächst. So sind mehr Menschen bereit, höhere Beiträge für Versicherte zu akzeptieren, die ihre Vorsorgeuntersuchungen nicht wahrnehmen oder ein höheres Risiko durch ihr eigenes Verhalten haben. Doch generell höhere Beiträge zur Krankenversicherung lehnten 87 Prozent der Versicherten ab. Auch eine Grundversorgung, die dann jeder selbst weiter ausbauen kann, wollen 65 Prozent der Befragten nicht akzeptieren.

Andere Europäer sind zufriedener  

"Dabei ist die Schweiz ein gutes Beispiel dafür, wie eine hohe Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem unmittelbar einhergehen kann mit einer größeren Eigenverantwortung der Versicherten," so Schroeder-Wildberg. Die Schweizer haben ein System mit Grundsicherung und Zusatzleistungen, die individuell wählbar sind. Innerhalb der Studie wurde auch eine internationale Befragung durchgeführt. Allgemein bewerten auch Holländer, Schweden und eben die Schweizer ihr Gesundheitswesen besser als die Deutschen. Sie haben weniger Angst vor der Zukunft und haben kaum Bedenken wegen der nötigen Behandlung im Krankheitsfall.

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