Kassenchef will Konkurrenz von PKV und GKV auf Augenhöhe
Kassenchef will Konkurrenz von PKV und GKV auf Augenhöhe

Zuletzt hatte der AOK-Chef Jürgen Graalmann Aufsehen erregt. Er hatte sich für die Abschaffung der PKV eingesetzt. Die Politik sollte seiner Ansicht nach die PKV nicht stützen, wenn die Versicherer ihre Krise nicht aus eigener Kraft meistern könnten. Nun hat sich ein weiterer Chef einer gesetzlichen Krankenkasse zu Wort gemeldet. Norbert Klusen ist der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse (TK). In einem Gespräch mit der "Financial Times Deutschland" (FTD) verlangt Klusen, dass die Trennung zwischen privater und gesetzlicher Krankenversicherung aufgehoben wird. "Meine Vorstellung ist: Langfristig muss der Unterschied zwischen Privatpatient und Kassenpatient verschwinden." Damit dieses Ziel erreicht werden kann, soll nach seinen Vorschlägen der Status der Krankenkassen verändert werden. Die gesetzlichen Kassen (GKV) sind heute Körperschaften öffentlichen Rechts. Der FTD liegt ein entsprechendes Gutachten in Auszügen vor, demzufolge die Kassen zu Aktiengesellschaften oder zu Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit werden sollen.

Reform würde alle Probleme lösen

Das wäre eine fundamentale Reform des gesamten deutschen Gesundheitswesens. Norbert Klusen stellt das real existierende Gesundheitssystem mit den zwei Säulen in Frage. "Wir müssen die Frage beantworten, ob die heutige Trennung von privaten und gesetzlichen Krankenversicherungen noch sinnvoll ist oder ob wir nicht besser die beiden Systeme zu einem einheitlichen Versicherungsmarkt mit mehr Wettbewerb und mehr Durchlässigkeit entwickeln." Der TK-Chef ist der Meinung, dass eine neue Konstellation die Lösung der Probleme sowohl der gesetzlichen als auch der privaten Krankenversicherung wäre.

Neuer Status für bessere Verhandlungen

Die Diskussion um die Probleme der PKV ist zum Beginn diese Jahres laut und heftig geworden. Viele Experten sprechen von einer Krise der PKV, die kaum lösbar scheint. Von einer Krise der GKV kann man zwar nicht sprechen, aber die steigenden Beiträge und der immer mehr dezimierte Leistungskatalog sorgen auch bei den gesetzlich Versicherten für Unmut. Die Trennung der Versicherten nach Einkommen oder beruflichem Status ist sehr umstritten und wird vor allem von den Politikern der SPD, der Grünen und der Linken als Wurzel vieler Übel angesehen. Die Reform würde es für die Krankenkassen möglich machen, ihren Versicherten zusätzliche Leistungen anzubieten. Auch direkte Verhandlungen mit Kliniken, Ärzten oder den Pharmaherstellern wären so denkbar.

Gleiche Grundbedingungen für PKV und GKV

Die Reform des TK-Chefs würde an der Finanzierung der GKV durch vom Einkommen abhängige Beiträge nichts ändern. Auch ein Leistungskatalog bliebe weiter bestehen. Die PKV könnte auch weiterhin wie bisher ihre Versicherten auswählen und wäre keinem Kontrahierungszwang unterworfen. Würde die Umwandlung der gesetzlichen Krankenkassen Realität, wären die Startchancen für beide Systeme gleich. Das Gesundheitssystem würde sich mit neuen Grundsätzen und Vorgaben neu aufstellen können. Private und gesetzliche Krankenversicherung könnten unter gleichen rechtlichen Bedingungen ihre Kunden werben.

Debatte ohne Ende

Norbert Klusen wird die Debatte um die Zukunft der PKV weiter forcieren. In der letzten Zeit musste sich der PKV-Verband gegen immer heftigere Vorwürfe wehren. So hatte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Gerd Billen, davon gesprochen, dass sich die PKV schon bald selbst abschaffen würde. Wohin die Diskussion führt und ob die Kritiker der PKV wie Jürgen Graalmann, Norbert Klusen oder Gerd Billen Recht behalten, wird sich bald zeigen. Unbestritten scheint aber zu sein, dass die Turbulenzen in und um die PKV ohne Reformen unverändert weitergehen werden.