Keine Kostenerstattung für Behandlung durch einen Schamanen
Keine Kostenerstattung für Behandlung durch einen Schamanen

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln musste sich mit der Klage einer Frau beschäftigen, die nach Meinung ihrer behandelnden Ärzte nicht mehr heilbar war. Ihre Krebserkrankung war austherapiert. Die Kranke suchte deshalb nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten und stieß dabei auf eine Internetseite. Auf dieser von der Beklagten betriebenen Seite wurde für Reisen in ein Camp geworben, das im peruanischen Regenwald lag. In dem Camp waren der Ehemann der Frau und dessen Vater als Schamanen tätig. Die krebskranke Frau ließ sich informieren, führte einige entsprechende Gespräche und entschied sich schließlich für eine Reise zu dem peruanischen Camp. Dort wollte sie eine schamanische Behandlung ihres Leidens mit Säften und Pflanzen durch den Schwiegervater der Beklagten vornehmen lassen.

Reise nach Peru blieb ohne Erfolg

Die Frau buchte die Reise für sich und ihren Ehemann. Das Paar wollte fünf Wochen in dem peruanischen Camp verbringen. Die Kosten für die Reise beliefen sich auf 4.420 Euro pro Person. Für die Flüge nach Lima mussten noch einmal mehr als 4.000 Euro gezahlt werden. Bereits nach vier Wochen aber reiste das Ehepaar wieder ab. Die Unterkunft war nach dem Empfinden der Klägerin ausgesprochen schlecht. Auch erschienen ihr die Methoden der Behandlung sehr merkwürdig. Vor allem aber hatte die mit viel Hoffnung begonnene Behandlung durch den Schamanen keinen Erfolg. Die Frau fühlte sich betrogen und verlangte ihr Geld auf gerichtlichem Weg zurück. Doch das Landgericht Köln und in zweiter Instanz auch das Oberlandesgericht Köln wiesen die Klage ab.

Es wurde kein Vertrag geschlossen  

Das OLG hat sich besonders gründlich über die Gespräche und Vereinbarungen vor Antritt der Reise informiert. Die Richter konnten aber nicht mit Sicherheit feststellen, dass die Klägerin mit der Beklagten einen Reisevertrag abgeschlossen hatte. Die Betreiberin der Internetseite hat zwar Gespräche mit der Klägerin geführt und sie ebenfalls über die Reise und die Behandlung durch den Schamanen informiert. Doch hat sie keinen Vertrag mit der Klägerin abgeschlossen. Deshalb, so die Richter, könne sie keine Ansprüche aus den festgestellten Mängeln der Reise oder dem Misserfolg der Behandlung ableiten. Nach den Resultaten der Beweisaufnahme hat die Beklagte durch die Gespräche kein besonderes Vertrauen für sich aufgebaut, dem sie nun Rechnung tragen müsste.

Klage hätte den Schamanen treffen müssen     

Auch gab es nach Ansicht des Gerichtes keine weiteren Gründe für eine Haftung der Beklagten. Sie war weder für die Gegebenheiten in dem peruanischen Camp noch für den Misserfolg der Behandlung durch den Schamanen verantwortlich. Sie hat danach die Klägerin auch nicht getäuscht. Wenn die Kranke mit der aus ihrer Sicht schlechten Verpflegung und den übermäßig harten Behandlungsmethoden nicht einverstanden gewesen sei, so hätte die den Schamanen in Peru verklagen müssen. Doch eine solche Klage könne man sicherlich als wenig aussichtsreich bezeichnen.

Kein Versprechen auf Heilung  

Was nun die erfolglose Behandlung betrifft, so waren die Richter der Meinung, dass die Aussagen der Beklagten über die Heilungschancen keinesfalls den Charakter einer verbindlichen Zusage hatten. Es muss der Klägerin und ihrem Ehemann klar gewesen sein, dass in dem Camp im peruanischen Regenwald keine Schulmedizin angewandt wurde. Das Ehepaar habe die Sicherheit und die Verlässlichkeit von wissenschaftlich belegten Erkenntnissen verlassen. Zweifelsfreie Versprechen über eine Heilung sind hier aber nicht möglich. Die Klage wurde also zurückgewiesen. Die Revision wurde nicht zugelassen, so dass das Urteil rechtskräftig ist. (Aktenzeichen 16 U 80/12)