Kleinere Krankenkassen wollen mehr Wettbewerb
Kleinere Krankenkassen wollen mehr Wettbewerb

Die Gesellschaft für Wirtschaftlichkeit und Qualität bei Krankenkassen (GWQ) teilte anlässlich ihrer zweiten Tagung mit, dass kleinere Krankenkassen in Sachen Effizienz gegenüber den Branchenriesen besser dastehen als bisher angenommen. Fusionen in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) taugen nach Ansicht der GWQ-Vorsitzenden Dr. Gertrud Demmler nur bedingt zum Abbau unnötiger Kosten. Kleinere Kassen verfügen über schlanke Strukturen und seien daher oft im Vorteil, da sie deutlich weniger Beitragsmittel für die Verwaltung aufwenden müssen. Selbst eine stärkere Verhandlungsposition großer Krankenkassen gegenüber Pharmaherstellern und Ärzteverbänden komme weniger stark zum Tragen als vielfach dargestellt. Eine sinkende Anzahl der Krankenkassen hemme daher nach Ansicht der GWQ den Wettbewerb.

Fusionen lähmen Wettbewerb

Immer mehr Krankenkassen wählen angesichts schwieriger Finanzen den Weg der Fusion, um überschüssige Strukturen abzubauen und gemeinsame Ressourcen zu erschließen. Besonders die Kosten für die Verwaltung sollen durch einen Zusammenschluss deutlich sinken, so die Hoffnung vieler Fusionspartner. Auf dem GWQ-Tag wurde nun festgestellt, dass kleinere Krankenkassen durch flache Hierarchien und überschaubare Strukturen deutlich weniger Geld für die Verwaltung aufwenden als große.

Krankenkassen mittlerer Größe haben im Vergleich zu den Großen rund 20 Prozent niedrigere Verwaltungsausgaben, so die GWQ. Gleichzeitig könnten bis zu viermal so viele Versicherte durch den einzelnen Sachbearbeiter betreut werden, ohne Qualitätseinbußen hinnehmen zu müssen. Die Entwicklung zu immer weniger Krankenkassen gehe zu Lasten des Wettbewerbs und der Versicherten.

Marktmacht bringt Preisvorteile

Von über 1.000 Krankenkassen Anfang der 1990er Jahre sind im Jahr 2009 noch 215 Krankenkassen übrig geblieben. Und selbst diese Zahl ist mittlerweile auf 166 Krankenkassen geschrumpft. Schon zum 01. Juli sind weitere Krankenkassenfusionen geplant, zum Beispiel bei den Innungskrankenkassen. Durch den Zusammenschluss erhoffen sich die Beteiligten nicht zuletzt eine gewisse Marktmacht, die bei Preisverhandlungen mit Leistungserbringern wie Ärzten, Arzneimittelherstellern und Krankenhäusern Vorteile bringt.

Doch langfristig können die mittleren Krankenkassen ihren Versicherten ebenso Preisvorteile durch entsprechende Verhandlungen verschaffen. In der GWQ haben sich zu diesem Zweck 13 Betriebskrankenassen zusammengeschlossen. Im Verbund verschaffen sich die „Kleinen“ dann eine ähnliche Ausgangsposition wie die Branchenriesen.

Fast Monopolstellung der Großen

Schon jetzt sind 85 Prozent der gesetzlich Versicherten in nur 30 Krankenkassen abgesichert. Die 36 größten Krankenkassen erreichen zusammen einen Marktanteil von rund 90 Prozent. Doch im regionalen Bereich haben die mittleren Krankenkassen, vor allem die Betriebskrankenassen, deutlich höhere Marktanteile. Die Reduzierung der Krankenkassen hat eine verstärkte Konzentration des Wettbewerbs mit sich gebracht. Gertrud Demmler, hauptamtliche Vorsitzende der Siemens-Betriebskrankenkqasse, wies darauf hin, dass in der GKV nur 3,1 Anbieter auf eine Million Versicherte entfallen. In der privaten Krankenversicherung sind es 5,5 Anbieter.