Klinikabrechnungen werden den Bundestag beschÀftigen

Klinikabrechnungen werden den Bundestag beschÀftigen

Durchschnittlich haben die PrĂŒfer jede Rechnung um 700 Euro gekĂŒrzt. Die beanstandeten BetrĂ€ge wurden in den vergangenen Jahren immer höher. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) beziffert das Potential der RĂŒckforderungen insgesamt auf 1,5 Millionen Euro. Die KrankenhĂ€user wehren sich gegen solche Darstellungen und gehen nun zum Gegenangriff ĂŒber. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hat dem Bundesministerium fĂŒr Gesundheit einen Entwurf fĂŒr ein neues Gesetz vorgelegt. Danach sollen sĂ€mtliche PrĂŒfungen, die als Grundlage lediglich die Akten nutzen, weitgehend abgeschafft werden. Die Kontrollen des MDK sollen ausschließlich in RĂ€umen des betreffenden Hauses stattfinden. Allgemein sollen die PrĂŒfungen strukturell verbessert und in kĂŒrzerer Zeit abgeschlossen werden. Wenn es verschiedene Auffassungen gibt, sollen PrĂŒfer und Ärzte die KlĂ€rung in einem persönlichen GesprĂ€ch herbeifĂŒhren. Die gesetzlichen PrĂŒfungen sollten nicht dazu instrumentalisiert werden, notwendige medizinische Leistungen zu minimieren, macht DKG-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Georg Baum klar.

Gutachten zu Abrechnungen widerlegt die VorwĂŒrfe

Grundlage fĂŒr den Gesetzesentwurf ist ein Gutachten der WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft BDO, das von der DKG in Auftrag gegeben wurde. Danach sind 96 Prozent aller Krankenhausrechnungen korrekt. Differenzen entstehen letztlich nicht durch die Rechnungen als solche, sondern durch unterschiedliche Bewertungen von Details. In jedem Jahr mĂŒssen die Kliniken 700 Millionen Euro fĂŒr PrĂŒfungskosten bereitstellen. Die BĂŒrokratie der PrĂŒfungen binde Zeit und KapazitĂ€t  des Personals, das dann bei der Versorgung der Patienten fehle. Die Kliniken seien zum Nachgeben gezwungen, weil ihnen sonst jahrelange Gerichtsverfahren drohen.

Kritik an den PrĂŒfern und ihrem Vorgehen 

Die PrĂŒfer zweifeln nach Ansicht Baums und der WirtschaftsprĂŒfer nachtrĂ€glich medizinische Leistungen an, die wĂ€hrend der Versorgung der Patienten notwendig wurden. Das Gutachten weise nach, dass die PrĂŒfer die KrankenhĂ€user nötigen wollen, die Patienten schneller zu entlassen. Sie wollen „blutige Entlassungen“ erzwingen. Es gebe unvorstellbare AuswĂŒchse bei den PrĂŒfungen, so Baum. Oft erst nach vielen Wochen sitze ein MDK-PrĂŒfer am Schreibtisch und ist der Meinung, dass eine Ă€ltere Frau mit einer Herzinsuffizienz zu lange behandelt worden sei. Es hĂ€tte sogar Beanstandungen gegeben, weil "der Versuch, den Fuß einer Patientin zu retten, zugunsten einer frĂŒhen Amputation hĂ€tte aufgegeben werden mĂŒssen". Solche und Ă€hnliche FĂ€lle von PrĂŒfungsergebnissen könnte jedes Krankenhaus vorweisen, so Baum.

GKV akzeptiert das Gutachten nicht

Der GKV-Spitzenverband hat das BDO-Gutachten als "Auftragsarbeit" bezeichnet. Die falschen Rechnungen seien keine Kleinigkeit. Verbandssprecherin Ann Marini verlangt eine pauschale Zahlung von 300 Euro bei jeder fehlerhaften Rechnung. FĂŒr eine derartige Maßnahme plĂ€diert auch Uwe Deh, geschĂ€ftsfĂŒhrender Vorstand des Bundesverbandes der AOK. "Nur dies schafft Anreize fĂŒr eine korrekte Abrechnung durch die KrankenhĂ€user."

Gesetzesentwurf ist ein Ablenkungsmanöver

Auch der Gesetzesentwurf der DKG löst nicht ĂŒberall Zustimmung aus. Peter Pick ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS). FĂŒr ihn hat die Initiative nur eine einzige Stoßrichtung: Sie soll formale HĂŒrden aufstellen und so die Zahl der PrĂŒfungen begrenzen. Auf diese Weise soll der Aufwand fĂŒr die PrĂŒfungen weg von den Kliniken auf den MDK ĂŒbertragen werden. "Damit lenkt die DKG vom eigentlichen Problem mangelnder AbrechnungsqualitĂ€t in KrankenhĂ€usern ab", sagt Peter Pick.

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Als Fachredakteurin der Online-Redaktion bin ich spezialisiert auf Gesundheitsthemen und biometrische Versicherungen (BU, Krankenversicherung und Pflege).