Krankengeld und Hüftgelenke steigern die Gesundheitskosten
Krankengeld und Hüftgelenke steigern die Gesundheitskosten

Die Ausgaben für das Krankengeld in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen immer weiter. Im Jahr 2009 sind die entsprechenden Ausgaben um zehn Prozent angewachsen. In einem Rundbrief des GK-Spitzenverbandes ist zu lesen, dass in diesem Zeitraum 7,2 Milliarden Euro für die Auszahlung von Krankengeld angefallen sind. Noch im Jahr 2006 wurden für die Zahlungen im Krankheitsfall 5,7 Milliarden Euro aufgewendet. Im Jahr 2007 lagen die Anstiege der Kosten bei 5,4 Prozent, im darauffolgenden Jahr schon bei 9,4 Prozent. Der Kostenanstieg hat den Gesundheitsminister alarmiert. Er hatte daraufhin im Juni von den gesetzlichen Krankenkassen verlangt, die Situation zu analysieren. Auch sollten die Krankenkassen Vorschläge zur Eindämmung des Kostenanstieges machen. Die Ergebnisse der Analyse liegen vor, doch ob es konstruktive Verbesserungsmöglichkeiten gibt, bleibt fraglich.

Alterung der Gesellschaft erhöht Kosten 

Denn die Gründe sind sehr vielschichtig. Eine Lösung kann deshalb sicherlich nicht einfach sein. Ein Hauptgrund ist wohl die demografische Entwicklung. In der Analyse, die der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” vorliegt, wird eine Fortsetzung dieses Trends vorhergesagt. “Steigende Kosten beim Krankengeld werden bleiben.” Die Generation des Babybooms vergrößert jetzt die Gruppe der 45- bis 64jährigen Arbeitnehmer. Diese Gruppe wird nicht nur öfter krank, sondern ist auch längere Zeit arbeitsunfähig. Die älteren Arbeitnehmer haben zudem in der Regel ein höheres Einkommen. Deshalb wird auch das Krankengeld höher, denn es wird nach den Einkünften berechnet.

Psychische Krankheiten nehmen zu 

Auch die veränderten Krankheitsbilder tragen zur Kostensteigerung bei. Die psychischen Erkrankungen sind auf dem Vormarsch. Immer mehr Krankmeldungen geben geistig-seelische Krankheiten als Ursache der Arbeitsunfähigkeit an. Die Behandlungsdauer dieser Erkrankungen ist oft sehr hoch, was ebenfalls zu höheren Kosten führt. Als Indiz führt die Studie an, dass inzwischen psychische Erkrankungen die Hauptursache für Erwerbsunfähigkeitsrenten sind.        

Neue Hüften und Knie sind Kostentreiber 

Eine weitere Ausgabensteigerung hat die Barmer GEK beklagt. Eine Studie, erarbeitet vom “Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitssystemforschung” in Hannover, hat eine enorme Seigerung der Operationen an Hüft- und Kniegelenken festestellt. Im vergangenen Jahr setzten die Ärzte 209.000 künstliche Hüftgelenke ein. Die Zahl der Knieprothesen lag bei 175.000. Seit dem Jahr 2003 haben diese Operationen und die Nachbehandlungen 3,5 Milliarden Euro gekostet. Seit diesem Jahr stieg die Zahl der Hüftoperationen um 18 Prozent, bei den Knieoperationen betrug die Steigerung sogar stolze 52 Prozent.

Unnötige Operationen oder nötige Eingriffe

“Die gewaltige Steigerung von Hüft- und Knie-Implantationen hat ihren Preis”, macht der stellvertretende Barmer-GEK-Vorstand Rolf-Ulrich Schlenker klar. Das Einsetzen eines Hüftgelenkes kostete im Jahr 2009 rund 7.600 Euro, ein Kniegelenk schlug mit knapp 7.400 Euro zu Buche. Die ständig steigende Zahl der Operationen werfe Fragen auf, meint Schlenker. Man müsse fragen dürfen, ob die Mediziner zu oft ein neues Gelenk empfehlen und ob nicht eine tendenzielle Überversorgung festgestellt werden müsse. Die Ausgaben für diese Operationen belaufen sich auf ungefähr zwei Prozent des gesamten Ausgabenvolumens der gesetzlichen Krankenkassen.