Krankenkassen: Erst Zusatzbeiträge, jetzt Preisnachlässe
Krankenkassen: Erst Zusatzbeiträge, jetzt Preisnachlässe

Bisher hat von den 169 Krankenkassen in Deutschland erst ein geringer Teil Zusatzbeiträge erhoben. Dennoch wollen sich die Krankenkassen vor einer Austrittswelle ihrer Mitglieder schützen. Eine aktuelle Umfrage der „Bild“-Zeitung hat am Montag ergeben, dass einige der Unternehmen ihren Mitgliedern jetzt Rabatte auf die zu zahlenden Zusatzbeiträge geben wollen. Demnach lockt die DAK ihre Versicherten mit einer Auslandsreise-Krankenversicherung für ein Jahr bei der Hanse-Merkur oder gewährt drei Euro Preisnachlass, sofern der Versicherte den gesamten Jahreszusatzbeitrag sofort zahlt.

Betriebskrankenkassen gewähren Rabatte

Unter den Krankenkassen, die bereits einen Zusatzbeitrag erhoben haben, sind neben der DAK und der KKH-Allianz überwiegend Betriebskrankenkassen. So erlässt die BKK für Heilberufe bei Vorauszahlung des Jahreszusatzbeitrages einen Monat. Die Versicherten müssen dann nur noch für elf Monate einen Zusatzbeitrag entrichten. Bei der BKK advita erhalten die Versicherungsnehmer bei Erteilung einer Einzugsermächtigung für den jährlichen Zusatzbeitrag einen Rabatt von zwei Prozent. Die BKK für Gesundheit, die erst kürzlich eine Datenpanne bewältigen musste, gewährt ihren Mitgliedern sogar vier Prozent Preisnachlass. Andere Krankenkassen wie die Novitas BKK oder die Deutsche BKK haben sich noch nicht entschlossen, ob sie ihren Versicherungsnehmern entweder Sachpreise ausgeben oder Rabatte gewähren.

Ungewisse Zukunft der Zusatzbeiträge

Die Krankenkassen werben derzeit um jedes Mitglied und der Konkurrenzkampf untereinander ist groß. Zudem lastet die Wirtschaftskrise auf den Kassen, die finanzielle Stabilität ist gefährdet. Nicht nur hohe Kosten für Medikamente oder Ärztehonorare, sondern auch das steigende Alter der Bevölkerung sorgt für ein großes Defizit im Finanzhaushalt vieler Krankenkassen. Die Zusatzbeiträge seien eine letzte Lösung – die eigenen Rücklagen reichen nicht mehr aus.

Allerdings stellt die Erhebung der Zusatzbeiträge die Kassen vor großen bürokratischen Aufwand. Es heißt, dass bis zu 2 Euro pro Mitglied nur für den Verwaltungsaufwand benötigt werden. Möglicherweise haben die Unternehmen sich dazu entschlossen, diese Kosten lieber in ihre Versicherten zu investieren und locken jetzt mit den Sonderrabatten. Es könnte aber auch einen ganz anderen Hintergrund dafür geben: Die Erhebung der Zusatzbeiträge hat eine ungewisse Zukunft. Sollte ein Mitglied sich weigern, den Zusatzbeitrag zu zahlen, gibt es für die Krankenkassen nur sehr wenige Möglichkeiten, das Mitglied zur Zahlung zu bewegen.