Krankenkassen fahren schweres Geschütz gegen die DAK auf
Krankenkassen fahren schweres Geschütz gegen die DAK auf

Adressiert war der Brief an das BVA. Die Vorstandsvorsitzenden der Barmer GEK, der Techniker Krankenkasse (TK), der KKH-Allianz, der Hanseatischen Krankenkasse (HEK) und der Handelskrankenkasse (hkk) haben den Brief unterschrieben. Die gesetzlichen Krankenkassen befürchten, dass die Gemeinschaft der Ersatzkrankenkassen mit rund 24 Millionen Versicherten "in erheblicher Weise finanziell getroffen" werden könnte. Man erwartet, dass sich die DAK durch den Verzicht auf die Zusatzbeiträge bis zum Ende des nächsten Jahres stark belastet. In dem Brief steht zu lesen: "Die Folgewirkungen einer finanziell instabilen Ausgangsbasis sehen wir mit großer Sorge." Denn sollte der neu fusionierten DAK Gesundheit das Geld ausgehen, so haftet zunächst die Gemeinschaft der Ersatzkrankenkassen. Ein Kenner der Branche sagte dem "Hamburger Abendblatt": "Da ist ein regelrechter Krieg ausgebrochen."

Gipfeltreffen der Ersatzkassen

In dem Schreiben, das mehreren Zeitungen vorliegt, wird die Gefahr beschworen, dass die DAK Gesundheit bereits im Jahr 2013 wieder einen Zusatzbeitrag erheben muss. Am heutigen Dienstag wird eine schon seit einiger Zeit geplante Konferenz stattfinden. Dort sollen die Unstimmigkeiten zwischen der DAK und den anderen Krankenkassen diskutiert werden. Michaela Gottfried, die Sprecherin des Verbandes der Ersatzkassen (vdek), bezeichnete es als das Ziel der Auseinandersetzungen, den gesamten Vorgang durchsichtig und nachvollziehbar zu machen.

DAK verteidigt die Abschaffung des Zusatzbeitrages

DAK-Chef Herbert Rebscher gibt sich sehr kämpferisch. Er unterstellt den Verfassern des Briefes, sie führten nichts als eine Neiddebatte. Das sei "Rufschädigung", ein in der gesamten Geschichte der Ersatzkrankenkassen beispielloser Vorgang. Die anderen Mitbewerber könnten die Finanzlage der DAK überhaupt nicht beurteilen. "Es geht den konkurrierenden Kassen ausschließlich darum, die DAK im Wettbewerb zu schwächen", so sein Kommentar. Wenn der Zusatzbeitrag gestrichen würde, so sei die DAK als "starker Wettbewerber" wieder auf dem Markt präsent. Die Anschuldigungen der Mitbewerber sei "ein durchsichtiger Versuch, den guten Ruf der DAK zu schädigen". Die DAK werde prüfen, ob man rechtliche Schritte gegen die Unterzeichner des Briefes an das BVA unternehmen werde.

Insider kritisieren Vorgehen der DAK 

Auf der anderen Seite gibt es Kritiker, die die Situation anders beurteilen. Die DAK erwartet einen Aufschwung durch die Fusion mit der BKK Gesundheit. Herbert Rebscher will die "Stärken einer flächendeckend präsenten Ersatzkasse mit denen der betrieblichen Krankenversicherung verknüpfen". Für die Kritiker ist das aber eine Milchmädchenrechnung. Der "Tagesspiegel" zitiert aus Kassenkreisen: "Zwei Fußkranke werden nicht, bloß weil sie sich zusammenschließen, über Nacht zum Sprinter."

BVA muss Abschaffung genehmigen

Auf eine Anfrage des "Hamburger Abendblattes" sagte dagegen TK-Sprecherin Dorothee Meusch, dass es keinesfalls um Fragen des Wettbewerbs ginge. Einzig die Haftungsgemeinschaft der Krankenkassen sei alarmiert. Das BVA hat zu dem Brief der Ersatzkassenchefs noch keine Stellung genommen. Ohne die Erlaubnis des BVA aber kann die DAK den Zusatzbeitrag gar nicht abschaffen. Auch deshalb haben sich die Ersatzkrankenkassen gegen die PR-Aktion der DAK geäußert. Auf der Internetseite der DAK wurden die Mitglieder bereits zur Kündigung ihrer Daueraufträge ermuntert. Dabei liegt die Genehmigung des BVA noch gar nicht vor.

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