Krankenkassen: Fusionen könnten zum Zusammenbruch führen
Krankenkassen: Fusionen könnten zum Zusammenbruch führen

Den Krankenkassen steht eine harte Zeit bevor, immer mehr Versicherungsunternehmen überdenken eine mögliche Fusion. Die große Zahl der Zusammenschlüsse der Krankenkassen sorgen allerdings bei vielen Gesundheitsexperten für große Sorge. In keiner anderen Branche finden zur Zeit so viele Vereinigungen statt, wie in der gesetzlichen Krankenversicherung. Nun befürchten Branchenkenner einen Kollaps des Gesundheitssystems. Rolf Stuppardt vermutet, dass die Krankenkassen mit einer Fusion ihren Einfluss und ihren Ruf stärken wollen. Der Chef des Bundesverbandes der Innungskrankenkassen nannte dieses Phänomen „too big to die“. Die Versicherungsunternehmen hätten durch ihre Fusion einen so hohen Stellenwert, dass im Falle einer Insolvenz das gesamte Gesundheitssystem gefährdet wäre. Daher würde der Staat finanziell für betroffene Krankenkassen eintreten.

Panik vor Kollaps des Gesundheitssystems

Rolf Stuppardt zielt mit seiner Aussage auf jüngste Ereignisse im Finanzsystem ab. Bedeutende, insolvente Großbanken wurden vom Staat vor einem Kollaps gerettet, da andernfalls das Finanzsystem in eine tiefe Krise gestürzt worden wäre. Die Gesundheitsexperten rechnen nun mit einem ähnlichen Verlauf in der gesetzlichen Krankenversicherung. Innerhalb von zwei Jahren ist die Zahl der Krankenkassen von 216 auf aktuell 163 gesunken. Eine Studie der deutschen Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst & Young hatte Anfang März diesen Jahres ergeben, dass sich die Anzahl der Krankenkassen bis 2015 auf womöglich auf 50 reduzieren könnte.

Politik ist schlechtes Vorbild

Auch Hans Unterhuber kritisiert die Fusionsbereitschaft vieler Krankenkassen. Der Chef der Siemens-Betriebskrankenkasse sieht die Verantwortung für diese Denkweise jedoch eher in der Politik: „Wenn Politiker beharrlich verkünden, dass weniger Krankenkassen genügen und Fusionen der allein richtige Weg sind, dann hat man die Lehren aus der größten Wirtschaftskrise seit Kriegsende nicht gezogen.“, so Unterhuber. Er ist der Ansicht, dass bei einer Schließung kleinerer Krankenkassen andere Unternehmen die Versicherten aufnehmen könnten. Bei den größeren Unternehmen wäre eine Auflösung mit hohem Aufwand und noch höheren Kosten verbunden, für die letztlich der Staat aufkommen müsste. Allmählich hinterlassen das große Milliardenminus im Gesundheitssystem und die Mitgliederverluste einiger Krankenkassen durch den Zusatzbeitrag nach und nach ihre Spuren. Noch für dieses Jahr sind weitere Fusionen geplant.