Krankenkassen legen Eckpunkte zur ärztlichen Versorgung vor
Krankenkassen legen Eckpunkte zur ärztlichen Versorgung vor

Allgemein sollen Kontrollen und Transparenz im Gesundheitswesen optimiert werden. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung hat nun seine Auffassung dargelegt, wie ein neues Versorgungsgesetz aussehen könnte. Dabei soll vor allem die Ärzteschaft in neuen Strukturen und Organisationsformen arbeiten. Bereits in vorherigen Stellungnahmen hatte der Verband betont, dass es in Deutschland keinen Ärztemangel gebe. Die Verteilung der Mediziner liege im Argen. In den Jahren zwischen 1990 und 2009 ist nach den Angaben des GKV-Verbandes die Zahl der ambulanten Ärzte um mindestens 47.000 angewachsen, ein Anstieg um 51,3 Prozent. Die Tatsache der Überversorgung habe dazu geführt, dass alle Planungsbereiche für neue Niederlassungen gesperrt sind. "Es gibt nicht zu wenige Ärzte, sondern insgesamt zu viele, und sie sind schlecht verteilt", ist in dem Eckpunktepapier der GKV zu lesen.

Neue Gliederung der ärztlichen Arbeit

Um diese Situation zu klären, soll die ambulante ärztliche Versorgung in drei Funktionsgebiete aufgeteilt werden. Diese neue Struktur soll die 

  • ärztliche Primärversorgung
  • allgemeine fachärztliche Versorgung
  • spezialärztliche Versorgung

umfassen. In der Primärversorgung arbeiten Hausärzte, Kinderärzte und Frauenärzte. Andere Fachärzte sollen sich in die allgemeine fachärztliche Versorgung oder die spezialärztliche Versorgung eingliedern. Die speziellen ärztlichen Arbeiten beziehen sich vorrangig auf die ambulante Tätigkeit in Krankenhäusern und ambulante Operationen.

Flexible Arbeitszeiten und Verträge

Die Überversorgung soll abgebaut werden. Das ist ein wichtiges anliegen der Krankenkassen. Neue Niederlassungen soll es nur dann geben, wenn es die Versorgungssituation nötig macht. In überversorgten Regionen sollen auf diesem Weg nicht notwendige Praxen stillgelegt werden. Auch die Zulassung eines Arztes wird in einem solchen Kontext nicht mehr über seine Lebensarbeitszeit hinaus gelten. Die Verträge sollen flexibler und freier gestaltet werden. "Neben dem kollektiven Vertragsregime sollten zunehmend selektive kassenspezifische Vertragsoptionen definiert werden", so die Forderung des GKV-Verbandes. Die drei neu definierten Bereiche der ärztlichen Versorgung sollen durch Direktverträge mit einer einzelnen oder auch mit mehreren Krankenkassen geregelt und inhaltlich gefüllt werden. Die Hausarztverträge, schon seit ihrer Einführung ein Dorn im Auge der GKV, sollen gänzlich abgeschafft werden. "Die Verpflichtung zu Hausarztverträgen steht dieser Zielsetzung entgegen und ist daher abzuschaffen."

Mehr Geld nur mit höherer Leistung

Ganz allgemein soll die Vertragsfreiheit ausgeweitet werden. Auch hier wären Direktverträge mit Kliniken über bestimmte Leistungen denkbar. Man könnte so Einfluss auf die Qualität der Leistungen nehmen, weil vertraglich schlechte Versorgung ausgeschlossen werden könnte. Auch Verhandlungen über Preise müssten im Rahmen größerer Freiheit möglich sein. Zum Verdienst der Ärzte hat die GKV ihren ganz eigenen Standpunkt. Honorarsteigerungen sollen, geht es nach dem Willen der gesetzlichen Krankenversicherung, mit strengen Maßstäben an ein Plus der Versorgungsqualität gebunden sein. Heißt im Klartext: Ohne bessere Versorgung keine bessere Bezahlung. Ein Fonds soll dazu beitragen, dass Krankenkassen und Ärzte verbesserte Qualitäten finanzieren können.