Krankenkassen müssen Pflege-TÜV überarbeiten
Krankenkassen müssen Pflege-TÜV überarbeiten

Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler hat entsprechende Korrekturen angemahnt. Er forderte die gesetzlichen Krankenkassen und die Heimträger auf, schnell zu einer praktikablen Lösung der Probleme zu kommen. In der aktuellen Situation gibt es noch zu viele “Schwachstellen”, wie es die Ersatzkrankenkassen in ihrer Bilanz nach einem Jahr Pflegenoten im Internet ausgedrückt haben. Diese Schwachstellen liegen zum Beispiel in der Forderung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung nach ausreichenden Dokumentationen. Gibt es solche Aufzeichnungen nicht, muss sich die Einrichtung mit einer schlechten Benotung abfinden. Dabei ist es gleichgültig, wie gut die Pflege wirklich ist, wie viel Zeit das Personal den Heimbewohnern widmet. Andererseits können Patienten mit Wundgeschwüren durch einen schönen Garten oder hübsch gestaltete Fenster ausgeglichen werden.

Bewertungskriterien sollen überarbeitet werden  

Solche Auswüchse sollen bald nicht mehr möglich sein. Sowohl das Bewertungssystem als auch die Noten sollen überarbeitet werden. Zukünftig wird es keine gute Gesamtnote geben, wenn vorher eine schlechte Ernährungslage oder wundgelegene Patienten festgestellt wurden. Auch der hohe Stellenwert der Dokumentation könnte bald der Vergangenheit angehören. Denn ausführliche Dokumentationen können oft nur auf dem Rücken der Heimbewohner angefertigt werden. Schriftliche Arbeiten kosten Zeit, die dann für die wirklichen pflegerischen Aufgaben des Personals fehlt. Bereits zum 01. Januar des kommenden Jahres könnten die überarbeiteten Noten zwischen 1 und 5 gültig werden. Die Kritiker sagen, bisher produziere der Pflege-TÜV nur “Kuschelnoten”, die Mängel in den Heimen nur verdecken.

Durchschnittsnoten sind sehr positiv

Grundsätzlich aber sehen die gesetzlichen Krankenkassen die Veröffentlichung der Bewertung von Pflegeheimen positiv. Thomas Ballast, Vorstandschef des Verbandes der Ersatzkassen, hält den Pflege-TÜV für ausgesprochen sinnvoll. “Schon über 17 Millionen Mal haben Ratsuchende im Internet den Pflegelotsen genutzt,” macht er die zunehmende Bedeutung der Benotungen klar. Es sind aber bei weitem noch nicht alle Einrichtungen geprüft worden. Es gibt rund 23.000 Pflegedienste, 8.500 von ihnen haben erst eine Benotung erhalten. Die durchschnittlichen Noten für stationäre Einrichtungen liegen bei 1,9. Im ambulanten Bereich wurde ein Durchschnitt von 2,1 erreicht.

Gute Bewertungen nicht realistisch

Augenwischerei, sagt Eugen Brysch von der Deutschen Hospiz Stiftung. “Die Traumnoten, die das Prüfsystem wie am Fließband produziert, haben mit der Realität nichts zu tun.” Ähnlich sieht die Pflege-Expertin der Linken, Kathrin Senger-Schäfer, die Situation. “Die Gesamtnoten der Prüfberichte zeichnen ein unklares Bild der Qualität von Pflegeeinrichtungen.” Die Krankenkassen sehen die Probleme ebenfalls, halten aber die Qualität der Pflegeeinrichtungen im Allgemeinen gewährleistet. Doch viele Heime würden trotz guter Gesamtbeurteilung auf einzelnen Gebieten schlechte Noten erhalten.

System wird Bestand haben

Bisher gibt es 200 Klagen gegen den Pflege-TÜV. Doch hier haben die gesetzlichen Krankenkassen keinerlei Befürchtungen. “Nur zwei Prozent der geprüften Einrichtungen wehren sich gegen die Veröffentlichung ihrer Noten,“ macht Thomas Ballast deutlich. Die weit höhere Zahl der Einrichtungen sei mit den Ergebnissen einverstanden. Er hat überhaupt keine Befürchtungen, dass eine Verhandlung vor dem Bundessozialgericht den Pflege-TÜV aushebeln könnte. Im Gegenteil könnte das System durchaus noch ausgeweitet werden. Thomas Ballast kann sich durchaus auch Noten für Ärzte und Fachärzte vorstellen.

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