Der 1. April des kommenden Jahres markiert einen Stichtag für die private Krankenversicherung. Fortan dürfen PKV-Unternehmen ihren Vermittlern im Maximum eine Provision von neun Monatsbeiträgen für den Abschluss einer privaten Krankenversicherung zahlen. Mit den viel diskutierten und ebenso kritisierten Profitexzessen von bis zu achtzehn Monatsbeiträgen soll Schluss sein. Hinzu kommt die Verlängerung der Stornohaftung um drei auf fünf Jahre, für die Krankenversicherung und die Lebensversicherung gleichermaßen. Laut Klaus-Peter Flosbach, Abgeordneter der Christlich Demokratischen Union (CDU), sind die Änderungen der Provisionsregelungen mit der Wirtschaft abgestimmt. Flosbach ist überzeugt davon, dass hiermit ein wesentlicher Schritt gelungen sei, “um einen sauberen Markt für die Vermittlung von privaten Krankenversicherungen zu erreichen”. Die Versicherungsbranche sei der Politik für den Eingriff in den Markt, der vor dem Hintergrund der Missbrauchbeseitigung erfolgte, dankbar wie CDU-Abgeordnete unterstreicht.

PKV-Verband: Praxistest der Neuregelungen abwarten

Der Verband der privaten Krankenversicherung gibt sich im Hinblick auf die neuen Regularien zur Provisionsbegrenzung noch zurückhaltend. Diese müssten nun ihre Praxistauglichkeit unter Beweis stellen, so der Direktor des PKV-Verbandes, Dr. Volker Leienbach. Ziel sei es, “Übertreibungen zu vermeiden”. Die Betreuung und persönliche Beratung der Versicherungskunden durch die Vermittler dürfe aber nicht darunter leiden, so Leienbach. Andere Stimmen zeigen sich mit der beschlossenen Regulierung der Vermittlerprovisionen ganz und gar unzufrieden und äußern mitunter auch Gegenvorschläge.

Bund der Versicherten für Laufzeitprovision in der PKV

Der Bund der Versicherten (BdV) fordert nicht nur, dass die Vermittlerprovisionen in der privaten Krankenversicherung auf maximal sechs Monatsbeiträge korrigiert werden, sondern plädiert im Grunde für einen Modellwechsel. Es soll weg von der Abschlussprovision gehen und, wie betont wird, zugunsten der Versicherten hin zu einer Provision, die sich nach der Laufzeit eines Vertrages richtet. Auch in den Medien wird diskutiert, wie die neuen Regularien für die private Krankenversicherung respektive ihre Vermittler zu bewerten sind. In einem Kommentar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) wird den eingeleiteten Maßnahmen einerseits bescheinigt, dass diese wohl die vorgesehene Wirkung erzielen würden, wenn es darum geht, der Profitgier so genannter schwarzer Schafe unter den PKV-Vermitttlern einen Riegel vorzuschieben. Ordnungspolitisch seien dieser Eingriff aber als fragwürdig zu bezeichnen.

Die Frage der Notwendigkeit des staatlichen Eingriffs

Wie in dem Kommentar der Zeitung aus Frankfurt am Main dargelegt wird, hätte der Markt im Sinne der Bestandskunden und vor dem Hintergrund von Imageschäden auch eigenständig dafür gesorgt, dass unseriöse Vermittler über kurz oder lang nicht mehr zum Zuge kommen. Gegen dieses Argument spricht freilich, dass die Kritik an den teils horrenden Provisionszahlungen alles andere als neu ist. Auch wenn es, wie in dem betreffenden FAZ-Kommentar betont wird, PKV-Unternehmen gibt, die eine Zusammenarbeit mit den “Umdeckern” ausschließen: In der Breite besteht die thematisierte Problematik bislang fort. Inwiefern sich der regulierende Eingriff nun in der Praxis bewähren wird, bleibt in der Tat abzuwarten.