Neue Studie: Kopfpauschale senkt die Kosten
Neue Studie: Kopfpauschale senkt die Kosten

IW-Direktor Michael Hüther stellte die Studie am gestrigen Montag in Berlin vor. Man habe die Daten des Statistischen Bundesamtes als Basis für die entsprechenden Berechnungen genommen. Entstanden ist ein Mikrosimulationsmodell. In diesem Modell wird ein vollständiger Systemwechsel in der gesetzlichen Krankenversicherung vollzogen. Simuliert wird die Einführung einer Gesundheitsprämie. Der bisherige Arbeitgeberanteil des Krankenkassenbeitrages wird an die Arbeitnehmer ausgezahlt. Jedes Mitglied in der gesetzlichen Krankenversicherung, das älter als 20 Jahre ist, müsste in einem solchen System eine Gesundheitsprämie in Höhe von 250 Euro zahlen. Die Prämie würde zu Transparenz und einer Nachfrage führen, die Kosten stärker berücksichtigt. Der Bund könnte eine Entlastung von 4,5 Milliarden Euro jährlich verzeichnen. “Das würde die Ausgaben für Kassenleistungen des vergangenen Jahres decken, ” sagt Michael Hüther.

Wertvolle Gesundheit

Kinder wären nach diesem Modell weiter beitragsfrei versichert. Ein sozialer Ausgleich ist ebenfalls vorgesehen. Wenn die Gesundheitsprämie mehr als 16,5 Prozent des erweiterten Einkommens ausmacht, so würde dieser Augleich einsetzen. Der Begriff “erweitertes Einkommen” bedeutet, dass alle Einkommensarten herangezogen werden. Es sollen Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, eigenes Vermögen oder die Einkünfte der unterhaltspflichtigen Ehepartner angerechnet werden. Nach diesen Berechnungen würde für 38 Prozent der deutschen Haushalte ein Ausgleich fällig, der aus Steuergeldern finanziert werden müsste.

Plus und Minus

Die Steuerzahler müssten rund 26,6 Milliarden Euro aufbringen, um diesen sozialen Ausgleich zu finanzieren. Doch es gibt ein Gegengewicht. Ein Versicherter, der mit der angenommenen Prämie von 250 Euro weniger für seine Krankenversicherung zahlen muss als heute, bezahlt das mit einer Erhöhung des steuerpflichtigen Einkommens. Nach den Zahlen der Studie würde das für den Staat höhere Einnahmen in Höhe von 15,4 Milliarden Euro bedeuten. Nun muss gerechnet werden: Zieht man die Mehreinnahmen von den erwarteten Mehrausgaben ab, bleiben 11,2 Milliarden übrig. In diesem Jahr zahlt der Bund einen Steuerzuschuss von 15,7 Milliarden Euro an die gesetzliche Krankenversicherung. Nach den Modellrechnungen wäre das mit der Gesundheitsprämie eine Ersparnis von 4,5 Milliarden Euro.

Ungerechtigkeiten

Michael Hüther übt Kritik am aktuell geltenden Recht, nach dem die Beiträge berechnet werden. Es werden heute keinerlei Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung zur Beitragsberechnung herangezogen. Auch Einkünfte, die über die Beitragsbemessungsgrenze hinaus gehen, bleiben unberücksichtigt. Damit sind es hauptsächlich Versicherte mit höherem Einkommen, die Vorteile durch das gültige Beitragsrecht haben. “Mit steigendem Bruttoeinkommen bleiben im Durchschnitt immer höhere Einkommensbestandteile beitragsfrei,” macht Hüther klar.

Pro und Kontra

Die IW-Studie widerspricht ganz eklatant den bisherigen Studien und Expertenmeinungen. Die meisten der Fachleute lehnen die Gesundheitsprämie ab. Vor allem der soziale Ausgleich aus Steuermitteln verursache viel zu hohe Kosten. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Instituts für Gesundheits- und Gesellschaftsforschung (IGES). Doch Hüther widerspricht den Aussagen, dass eine Gesundheitsprämie zwangsläufig zu höheren Ausgaben führen müsse. Das Gegenteil sei viel wahrscheinlicher: Es gebe in dem veränderten System größere Anreize, die medizinische Versorgung effizienter und nachhaltiger zu machen. Mittelfristig könne man daher eher mit einem schwächeren Kostenanstieg rechnen.