Nicht nur Gutverdiener in der privaten Krankenversicherung
Nicht nur Gutverdiener in der privaten Krankenversicherung

Die PKV wehrt sich seit langem gegen solch pauschale Vorurteile. Nun hat das Wissenschaftliche Institut der privaten Krankenversicherung (WIP) die Daten der Versicherten genauer unter die Lupe genommen. Grundlage waren dabei Zahlen des Statistischen Bundesamtes (destatis) aus dem Jahr 2008. Die Fachleute des WIP haben die Struktur der PKV-Versicherten untersucht und festgestellt, dass beileibe nicht ausschließlich "reiche Leute" in der PKV krankenversichert sind. Nur rund 20 Prozent der Versicherten haben ein entsprechend hohes Einkommen, das die Versicherungspflichtgrenze überschreitet. Damit hatten sogar die Fachleute des WIP nicht gerechnet. "Dieses Ergebnis hat uns überrascht", so Institutsleiter Dr. Frank Niehaus. Basis für die Untersuchungen waren Befragungen von mehr als 123.000 Personen aus rund 54.000 Haushalten. 11,3 Prozent aus dieser Stichprobe waren in der PKV versichert.

Nicht nur Gutverdiener in der PKV  

Mit 24,7 Prozent war der Anteil der Beamten in der PKV am größten. Pensionäre sind zu 17,5 Prozent zu finden, und die die Selbständigen und freien Berufe schlugen mit 15,7 Prozent zu Buche. Der Anteil der Arbeitnehmer in der PKV ist nach diesen Zahlen mit lediglich 11,6 Prozent relativ gering. Bleiben rund 30 Prozent der Versicherten, die sich aus Arbeitslosen, Rentnern, Studenten sowie Kindern und Hausfrauen zusammensetzen. Lediglich jeder zweite PKV-Versicherte (49,2 Prozent) bezieht sein Einkommen aus der Erwerbstätigkeit. "Damit widerlegt die Studie, dass in der PKV hauptsächlich Personen mit hohem Einkommen versichert sind", betont das WIP.

Nur rund ein Fünftel mit hohem Einkommen  

Die Versicherungspflichtgrenze lag im Jahr 2008 bei 4012,50 Euro im Monat. Der Verdienst eines Arbeitnehmers muss über diesem Betrag liegen, damit er von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln kann. Von allen Versicherten der PKV verfügten nur 19,6 Prozent über ein entsprechendes Einkommen. 80,4 Prozent oder rund 7,2 Millionen Versicherte liegen unter dieser Verdienstgrenze. Werden die Personen unter 18 Jahre herausgerechnet, so verfügen 22,3 Prozent über ein entsprechend hohes Einkommen und 77,7 Prozent liegen mit ihrem Verdient unter der Versicherungspflichtgrenze.

Vorurteile werden widerlegt

Bei der Betrachtung des Familienstandes konnte das WIP ermitteln, dass von den erwachsenen Versicherten rund 4,9 Millionen verheiratet sind. Im Bezugsjahr 2008 waren rund 25 Prozent ledig, der Anteil der Geschiedenen betrug 7,2 Prozent. Auch sind in der PKV nach Angaben des WIP alle Schul- und Ausbildungsabschlüsse zu finden. Für die privaten Krankenversicherer zeigen die Ergebnisse der Auswertungen, dass man sicherlich nicht von einer elitären Gruppe sprechen kann, die in der PKV versichert ist. Auch dem Vorurteil, dass nur die Menschen mit höherem Einkommen sich eine private Krankenversicherung leisten können, könne mit diesen Zahlen begegnet werden.

Vielfalt in der PKV

Die Branche kann mit dieser Untersuchung nachweisen, dass die Versicherten der  PKV eine heterogene Gruppe bilden. Das Fazit des WIP: "Insgesamt betrachtet bietet die PKV einen Krankenversicherungsschutz für verschiedene soziale Gruppen mit unterschiedlichen Einkommen, für Familien mit Kindern ebenso wie für Studenten oder Rentner." Die Vorwürfe aus Politik und Öffentlichkeit, dass nur Reiche in der PKV versichert sind und dem solidarisch aufgebauten System der gesetzlichen Krankenkassen wichtige Ressourcen entziehen, sind danach nicht haltbar.