Ökonomen wollen fünf Euro Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch
Ökonomen wollen fünf Euro Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch

Das wollten die Politiker bei der Einführung der Gebühr ohnehin erreichen. Die Zahlung von zehn Euro pro Quartal sollte unnötige Besuch beim Arzt verhindern. Das erhoffte Ergebnis aber wurde keinesfalls erreicht. Die Ökonomen der Deutschen Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (DGGÖ) haben einen neuen Vorschlag gemacht. Danach sollen Patienten ausnahmslos bei jedem Arztbesuch fünf Euro bezahlen. Im Gegenzug könnten die Zuzahlungen für die Aufenthalte im Krankenhaus, die täglich für die ersten 28 Tage fällig werden, ersatzlos gestrichen werden. Der DGGÖ-Vorsitzende Friedrich Breyer und der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem erwarten, dass sich durch ein solches Modell die hohe Zahl der Arztbesuche – es sind aktuell durchschnittlich 17 Arztkontakte pro Jahr –  verringern wird. „Zuzahlungen sollten nicht einfach die Krankenkassen entlasten, sondern das Verhalten der Versicherten in Richtung Sparsamkeit steuern“, sagt Breyer.

Fünf-Euro-Modell soll Arztkontakte verringern

Trotzdem muss natürlich der finanzielle Aspekt berücksichtigt werden. Nach der Einschätzung der Ökonomen würde das neue Modell Einnahmen von 2,4 Milliarden Euro bringen. Bisher lagen diese Zahlen bei 2,2 Milliarden Euro. Weiter gehen die Experten davon aus, dass die Anzahl der Arztbesuche durch die Reform der Praxisgebühr um rund zehn Prozent gesenkt werden kann. Man könnte so ungefähr 50 Millionen Kontakte zum Arzt einsparen. Auch der Verwaltungsaufwand soll sich verringern. Es müsse keine Kontrolle darüber geben, ob die Gebühr bereits gezahlt sei oder nicht. Auch eigentlich unnötige Überweisungen könnten so entfallen. Die werden oft nur ausgestellt, um doppelte Zahlungen der Gebühr zu vermeiden.

Praxisgebühr ist überholt

Doch der Widerstand gegen die Praxisgebühr lässt auch durch eine neues Modell nicht nach. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery ist sehr deutlich in seiner Ablehnung: „Man sollte sie in den Orkus der Geschichte schmeißen“, so seine Sicht der Dinge. Auch der hessische Sozialminister Stefan Grüttner hält nichts von einer wie auch immer gearteten Gebühr. „Eine Ausweitung der Praxisgebühr auf alle Arztbesuche wäre ökonomisch sinnlos, sozial ungerecht.“ Zudem würden bürokratische Lasten nicht abgebaut, sondern ausgeweitet. Auch Gesundheitsminister Daniel Bahr sprach sich bei einem Interview mit dem Deutschlandradio gegen die Praxisgebühr aus. Man müsse angesichts der Überschüsse überlegen, ob das Geld nicht eher den Versicherten zugute kommen sollte.

Linke halten Ausweitung der Gebühr für zynisch

Harald Weinberg, der Obmann der Bundestagsfraktion der Linken, schimpft heftig auf die Praxisgebühr  und vor allem auch auf eine mögliche Ausweitung. Die überwiegende Zahl der Arztbesuche käme durch Überweisungen zustande, vor allem wenn Patienten öfter einen Arzt aufsuchen müssen. Es sei zynisch, wenn solche Patienten bei jedem Arztbesuch zahlen müssen. „Sie haben sich ihre Krankheit nicht ausgesucht und werden sie auch nicht los, wenn sie den Arzt meiden.“

SPD stellt Antrag gegen Gebühr

Die Gegner der Praxisgebühr formieren sich immer schneller. Nur die CDU/CSU hält an der Gebühr fest. Sie will die Gebühr nicht vorschnell abschaffen und hält die Vorsorge für schlechte Zeiten für wichtiger. Doch damit steht die Union ziemlich isoliert da. Auch die SPD hat einen Antrag gestellt, in dem es um die Abschaffung der Praxisgebühr geht. Die Praxisgebühr habe ihre geplante Steuerungswirkung verfehlt. „Aufgrund dieser mangelhaften Effekte und der positiven Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Praxisgebühr zu streichen“. So ist es in dem Antrag des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD-Fraktion, Dr. Karl Lauterbach, zu lesen.

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