Ostdeutsche haben mehr Krankheiten als Westdeutsche
Ostdeutsche haben mehr Krankheiten als Westdeutsche

Mit diesem Instrument wird der finanzielle Ausgleich zwischen den Krankenkassen gesteuert. Im "Morbi-RSA" werden 80 Krankheiten erfasst, die besondere Behandlungen erfordern. Hat eine Krankenkasse besonders viele Mitglieder mit beispielsweise Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Depressionen, so erhält sie einen größeren Geldbetrag aus dem Gesundheitsfonds. Die Untersuchung der Barmer GEK basierte auf mehr als acht Millionen Versichertendaten aus dem Jahr 2009. Der Vorstandvorsitzende der Barmer GEK, Dr. Christoph Straub, stellte den neuen Morbiditätsatlas in Berlin vor. Er machte deutlich, dass solche Analysen Auffälligkeiten und besondere regionale Gegebenheiten an den Tag bringen. Auch Über- oder Unterversorgungen können so sichtbar werden. Nach dem Bericht sind  die Menschen in Sachsen, in den Städten Halle und Schwerin am häufigsten krank. Dagegen ist die Gesundheit der Baden-Württemberger offenbar sehr stabil.

Junge und Gesunde sind in den Westen gewechselt  

Einer der wichtigsten Gründe für diese Entwicklung ist offenbar die Altersstruktur.  Seit der Öffnung der Mauer sind viele junge Menschen aus dem Osten Deutschlands in den Westen gegangen. Deshalb sind die Menschen in den alten Bundesländern älter und damit anfälliger für Krankheiten. Auch sind vorrangig gebildete und gut verdienende Ostdeutsche in den Westen gewechselt. Uwe Repschläger ist einer der Herausgeber des Reportes. Er spricht von einer "Gesundheitsmigration". Wieder einmal wird durch eine Analyse der Einfluss von Einkommen und Bildung auf die gesundheitlichen Möglichkeiten nachgewiesen.

Depressionen in Bayern

Die Situation stellt sich anders dar, wenn man die Ausbreitung der Volkskrankheit Depression betrachtet. Im Jahr 2009 waren in den Städten Hamburg. Berlin und Bremen die Depressionserkrankungen auf dem höchsten Stand. Besonders hoch war der Anteil an Depressionen in Bayern, einem finanziell hervorragend ausgestatteten Bundesland. Repschläger sieht die Ursache für die häufigen Diagnosen in einer Überversorgung mit Therapeuten in Bayern. "Also werden auch mehr seelische Erkrankungen festgestellt", so seine Vermutung. Es scheinen sich erstaunliche strukturelle Fakten abzuzeichnen: Je mehr Ärzte es in einer Region gibt, um so mehr Krankheiten werden diagnostiziert. Das ist ein Problem, mit dem sich die Krankenkassen bereits länger befassen.

Verteilung der Ärzte ist nicht optimal 

Die neue Untersuchung macht deutlich, dass es in Deutschland nicht nur medizinische Unterversorgungen gibt. Wie das Beispiel der bayerischen Therapeuten zeigt, findet man durchaus auch auch Überversorgungen. Die Zahl der Fachärzte in den großen Städten ist zu hoch, auf dem Land und in den neuen Bundesländern herrscht oft Ärztemangel. Christoph Straub bringt es auf den Punkt: "Die Medizin, die erbracht wird, ist nicht immer die, die gebraucht wird." Doch insgesamt ist das deutsche Gesundheitssystem zweifelsfrei eines der besten.

Qualität muss überall gewährleistet sein

Durch die Analyse der Daten will die Barmer GEK darauf aufmerksam machen, wo es in der Bundesrepublik Auffälligkeiten und gestörtes Gleichgewicht in der medizinischen Versorgung gibt. Dabei liegen Straub besonders einheitliche Qualitätsstandards am Herzen. Es geht dem Barmer-GEK-Vorstand dabei nicht so sehr um die Ausweitung des Morbi-RSA, sondern um seine zielgerichtete und auf regionale Bedürfnisse ausgerichtete Ausprägung. Er warnte davor, dass sich die Versorgung gerade in Gebieten mit vielen Kranken verschlechtern könne. "Es darf nicht sein, dass der Wohnort die Versorgungsqualität bestimmt."