Die private Pflegevorsorge wird in der Bundesrepublik noch eher stiefmütterlich behandelt. Das soll sich ändern. Dank „Pflege-Bahr“ werden private Pflegezusatzversicherungen ab 2013 mit 60 Euro pro Jahr staatlich gefördert. Vorausgesetzt wird, dass mindestens zehn Euro monatlich aus eigener Tasche in den Vertrag eingezahlt werden. Der Vorteil: Bei den förderfähigen Policen dürfen die Versicherungen niemanden ausschließlich – sowohl Risikozuschläge als auch Leistungsausschlüsse sind nicht gestattet.

Die von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) erarbeitete Verordnung tritt am 4. Januar 2013 in Kraft, nachdem das Bundeskabinett vorige Woche grünes Licht gegeben hat. Zu diesem Zeitpunkt sollen, so das Bundesgesundheitsministerium, auch schon die ersten Vorsorgeverträge am Markt sein. Zuständig für die Auszahlung der Zuschüsse zeichnet dann eine zentrale Stelle bei der Rentenversicherung Bund. Um den gesamten Ablauf zu erleichtern, soll der Antrag für die Zulagen gleich mit Abschluss des Vertrags auf den Weg gebracht wird.

„Die Einführung der staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung ist eine richtige und dringend notwendige Zukunftsvorsorge“, so der Vorsitzende des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), Reinhold Schulte, „es wird sich auf Dauer als historische Weichenstellung erweisen, dass die Bürger beim Aufbau einer zusätzlichen privaten Vorsorge unterstützt werden.“ Die PKV sprechen von einer vorausschauenden und generationsgerechten Politik, „die vor den demografischen Problemen nicht die Augen verschließt, sondern frühzeitig gegensteuert“.

Ersten Hochrechnungen zufolge werden im Jahr 2050 rund 4,5 Millionen Menschen pflegebedürftig sein. Auf der anderen Seite, mahnt der Verband, sinkt die Zahl der Bürger im erwerbsfähigen Alter auf 34 Millionen. „Für die jüngeren Generationen, die den Sozialstaat von morgen finanzieren müssen, brennt die Kerze also an beiden Enden gleichzeitig“, heißt es in der Stellungnahme zum Pflege-Bahr. Dank der geförderten Zusatzversicherung sei es nun jedem möglich, die Pflichtversicherung zu ergänzen und rechtzeitig eine Lücke zu schließen, die vielen erst zu spät bewusst werde.