Pflege-TÜV: Klagewelle wegen schlechter Bewertungen
Pflege-TÜV: Klagewelle wegen schlechter Bewertungen

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) prüft bereits seit Mitte 2009 stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen bundesweit. Dabei werden die Einrichtungen nach bestimmten Qualitätskriterien untersucht und bewertet. Seit Dezember sind die ersten Pflegenoten im Internet abrufbar, um Angehörigen die Wahl der Pflegeeinrichtung zu erleichtern. Damit soll mehr Transparenz bei Qualität und Kosten der Pflege geschaffen werden. Nun sehen aber viele Pflegeheime ihre wirtschaftliche Existenz durch schlechte Noten bedroht. Außerdem steht die Methodik der Prüfung und Auswertung der Ergebnisse in der Kritik.

Klagewelle durch Heime

Zur Abbildung der Qualität eines Pflegeheims steht am Ende eine Gesamtnote, die sich aus mehreren Teilnoten zusammensetzt. Schlechte Noten gefährden aber die wirtschaftliche Existenz vieler Einrichtungen, so die Kritik. Ob und wie viele Heime aufgrund schlechter Noten schließen müssen, ist aber unbekannt.

Nach Angaben der Rheinischen Post sind mittlerweile allein am Essener Landessozialgericht 200 Klagen durch betroffene Heime anhängig. In der nächsten Woche will das Gericht darüber entscheiden, ob die Art der Benotung juristisch Bestand haben kann. Kritisiert wird vor allem, dass sich die Gesamtnote aus gleich gewichteten Einzelnoten zusammensetzt. So kann eine gute Bewertung im Teilbereich Verpflegung eine schlechte Note im Bereich Pflege aufwerten.

Kritik an Schulnoten

In der Kritik steht besonders die Bewertung durch Schulnoten von 1 bis 5. Im Bundesdurchschnitt liegt die Bewertung bei 2,5. Doch genau dies lehnt der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ab. Er bezweifelt, dass die Benotung der Pflege mittels Schulnoten zielführend bei der Verbesserung der Transparenz sei, wie er gegenüber der Rheinischen Post äußerte. Laumann plädiert daher für einen Fragekatalog, der die Pflegequalität angemessener darstelle. Auch der Essener Fachanwalt für Sozialrecht Frank Schleicher bezweifelt, dass Schulnoten dem Anspruch gerecht werden, die Verbraucher angemessen zu informieren und die tatsächliche Pflegequalität abzubilden.

Pflegenoten für Laien zugänglich

Der Medizinische Dienst, der die Qualitätsprüfungen bundesweit durchführt und die Noten vergibt, steht zur Vergabe von Schulnoten. Auf diese Systematik habe man sich geeinigt, um die Pflegequalität für Laien verständlich zu machen. Zwar werden alle Teilbereiche gleichwertig bewertet, doch laut MDK liegt der Schwerpunkt bei der Prüfung auf dem medizinisch-pflegerischen Bereich.

Bewertet werden die Bereiche Pflege und medizinische Versorgung, Umgang mit demenzkranken Bewohnern, soziale Betreuung und Alltagsgestaltung sowie Wohnen, Verpflegung, Hauswirtschaft und Hygiene. Zusätzlich findet eine Befragung der Heimbewohner statt, die allerdings nicht in die Gesamtnote einfließt. Da für jeden Teilbereich ein eigener Durchschnitt berechnet wird und dieser wiederum zu einem Viertel als gleichwertige Teilnote die Gesamtnote bestimmt, ist es möglich, dass beispielsweise eine gute Bewertung des Speiseplans und der Einrichtung der Zimmer eine schlechte Bewertung bei der Betreuung der Bewohner ausgleichen kann.