Pflegeantrag: Ältere Menschen sollten nicht den Helden spielen
Pflegeantrag: Ältere Menschen sollten nicht den Helden spielen

Silvia Menke-Hollenberg, Pflegedienstleitung bei der Diakonie, äußerte sich im "Deutschlandfunk" zu den Tipps und Tricks, die beim Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung zu beachten sind und machte auf einige Fallen aufmerksam, in die Antragsteller häufig stolpern. Mit Blick auf die Pflege sei es wichtig zu wissen, "dass es wirklich um den Menschen selber geht." Um den Rahmen der benötigten Hilfe zu ermitteln, sei es sinnvoll entsprechende Niederschriften anzufertigen. "Die Menschen sollten sich einen Zettel nehmen, eine Art Pflegetagebuch führen und genau schauen, wer hilft mir wann, wie oft am Tag." Damit weiß der oder die Betroffene nicht nur selbst um den eigenen Hilfebedarf, auch der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) beachtet im Rahmen des Pflegegutachtens solche Niederschriften der alltäglichen Hilfemaßnahmen.

Pflegetagebuch kann Hilfebedarf untermauern

Wichtig beim Führen des Pflegetagegebuches ist vor allem, die regelmäßig wiederkehrenden Verrichtungen zu dokumentieren, denn diese stehen ganz oben auf der Liste des MDK beim Pflegegutachten. Wer Hilfe bei der Grundpflege, also der Körperpflege, der Mobilität oder der Nahrungsvorbereitung sowie -aufnahme hat, erhält in der Regel Pflegeleistungen.

Vorbereitung auf das Gutachten des MDK

Angehörige und Pflegebedürftige sollten im Vorfeld des MDK-Gutachtens wissen, worauf es ankommt. Auch Michael Schneider, Anwalt für Sozialrecht, äußerte sich dazu im Rahmen des vorbenannten Radioberichtes: "Schwierig ist das immer dann, wenn die Betroffenen der Auffassung sind, dass sie dem MDK beweisen müssen, wie viel sie noch können, statt darzulegen, wie wenig sie noch können. Das heißt, oftmals gehen die Betroffenen über die eigene Schmerzgrenze hinaus, um zu beweisen, dass sie nicht hilflos sind (…)." Dies sei mit Blick auf den gestellten Antrag auf Leistungen aus der Pflegeversicherung "völlig kontraproduktiv", wie Michael Schneider betonte. Gleichzeitig sollte beachtet werden, dass auch Verrichtungen wie die Begleitung zum Arzt oder das Warten in der Praxis als Hilfebedarf angerechnet werden muss.

Demenzkranke weiter schlechter gestellt bei Begutachtung

Obwohl die Bundesregierung die Demenzkranken bei der Einstufung gleichstellen wollte mit Personen mit körperlicher Einschränkung, wurde dies noch nicht in einer neuen Definition der Pflegebedürftigkeit festgehalten. Daher ist es bei Demenzkranken, deren körperliche Leistungsfähigkeit stark schwanken kann, besonders wichtig den täglichen Pflegebedarf festzuhalten. Auch auf die Anwesenheit eines Angehörigen beim Pflegegutachten sollte in diesem Fall nicht verzichtet werden.