Pharmaunternehmen unter Bestechungsverdacht
Pharmaunternehmen unter Bestechungsverdacht

Nach dem Futtermittel-Skandal in der Lebensmittelindustrie, folgt nun der Schmiermittel-Skandal in der Gesundheitsindustrie. Die Firma Oncosachs, ein Pharmaunternehmen, welches auch eigene Medikamente speziell zur Krebsbehandlung herstellt, soll nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" in einen Bestechungsskandal verwickelt sein. Demnach sollen einem Berliner Onkologen ein Betrag in Höhe von 90.000 Euro in Aussicht gestellt worden sein, wenn dieser in Zukunft nur noch die Produkte der Firma Oncosachs bestellt. Je verabreichter Infusion der Chemotherapeutika sollte der Arzt nach eigenen Angaben 50 Euro bekommen. Bei zehn Patienten je Tag, entspräche dies 90.000 Euro im Jahr.

Sondereinheit der sächsischen Justiz ermittelt

Die Gelder sollten dann als entsprechende Studien getarnt fließen. Dem Arzt schien das Angebot jedoch unseriös. Nun ist gegen die Firma ein Ermittlungsverfahren wegen gewerbsmäßiger Bestechung von Ärzten eingeleitet worden. Eine Sondereinheit der sächsischen Justiz, INES, ermittelt. Firmenräume und beteiligte Apotheken wurden bereits durchsucht.

Firmen-Chef vermutet die Konkurrenz hinter den Anschuldigungen

Der Firmenchef weist die Vorwürde zurück. Er kenne ein solches Angebot nicht. Die von seinem Unternehmen durchgeführten Studien seien seriös, Schmiergelder gäbe es nicht. Statt dessen wittert der Firmen-Chef die Konkurrenz hinter den Anschuldigungen, die der Firma Gewinn und Umsatz wegnehme. Oncosachs ist Vertragspartner der AOK in der Berlin und Brandenburg. Seit kurzem werden die Versicherten dieser Krankenkasse größtenteils mit den für die Krebsbehandlung gedachten Medikamenten der Firma behandelt. In sieben von 13 Berliner Bezirken sei dies der Fall, was in Berlin einen Marktanteil von etwa 85 Prozent ausmacht.

Brisantes internes Papier

Ein internes Papier jedoch offenbart, das die Beschuldigungen nicht völlig haltlos sind. Sogenannte Dokumentationshonorare für die Qualitätssicherung scheint es zu geben. In einer entsprechenden Auflistung tauchen die ominösen 50 Euro pro verabreichter Fusion wieder auf. Der Anwalt des Beschuldigten Firmen-Chefs sagte indes, man prüfe rechtliche Schritte gegen den Anzeigensteller.

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