PKV-Prämien werden 2011 um sieben Prozent teurer
PKV-Prämien werden 2011 um sieben Prozent teurer

Die Analysten der Firma Morgen & Morgen haben die Steigerung der Prämien für Verträge errechnet, die im kommenden Jahr neu abgeschlossen werden. An dieser Steigerungsrate könne man die Anhebung der Beiträge für die bereits bestehenden Verträge ablesen. Eine Steigerung in dieser Höhe gab es bisher nicht. In den vergangenen zehn Jahren lag die durchschnittliche Beitragssteigerung bei rund fünf Prozent. Die Gründe für die außergewöhnliche Zunahme sind bei den ebenfalls steigenden Kosten zu suchen. Die Möglichkeit zur Kostensenkung ist für die privaten Krankenversicherer so gut wie nicht vorhanden. Es gibt für die PKV keine Zuschüsse aus Steuermitteln. Auch ist es in der privaten Krankenversicherung nicht möglich, den Versicherten vertraglich vereinbarte Leistungen plötzlich aus Kostengründen vorzuenthalten. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) können ihre Ausgaben anders steuern.

Regierung hat bereits Hilfestellung geleistet 

Johannes Singhammer ist der Gesundheitsexperte der CSU. In einem Gespräch mit der "Welt" kritisiert er die Erhöhung der Beiträge. Sie seien eine große Belastung für die privat Krankenversicherten. Das gelte vor allem für Beamte und Rentner in der PKV, die nicht über große Einkommen verfügen können. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition habe bereits einige Eckpunkte gesetzt, um die Situation für die Mitglieder der PKV zu verbessern.

Verantwortung liegt bei der PKV

Da sind zunächst die Rabatte, die von den gesetzlichen Krankenkassen mit den Pharmaherstellern ausgehandelt werden. Sie gelten zukünftig auch für die PKV, die damit ihre Ausgaben senken kann. Die Abschaffung der dreijährigen Wartefrist für den Wechsel von der GKV in die PKV wurde auf ein Jahr verkürzt, die Versicherungspflichtgrenze gesenkt. Beides verbessert die Einnahmen der PKV. Doch im Grunde, so der CSU-Politiker, sei die PKV selbst für die Strukturierung ihrer Einnahmen und Ausgaben verantwortlich. Die Bezeichnung "private"  Krankenversicherung sei natürlich auch Programm.

Selektive Verträge können Einsparungen ermöglichen 

Johannes Singhammer befürwortet auch die sogenannten Öffnungsklauseln bei den Gebührenordnungen für Ärzte. Die PKV will erreichen, dass direkte Verhandlungen mit den Ärzten möglich werden. Man kann so Abweichungen von der staatlichen Gebührenordnung vereinbaren. Die Mediziner sind gegen solche Klauseln und fürchten finanzielle Einbußen oder eine "Discount-Medizin". Singhammer schlägt vor, dass man die Funktionalität solcher Klauseln mit dem Einverständnis aller Beteiligten testen könne. Als Beispiel führt der Politiker die Laborärzte an. Die Laborkosten der PKV sind unverhältnismäßig angestiegen. Hier könnte mit der Zustimmung von Ärzten und der PKV durch separate Verhandlungen der Versuch gemacht werden, die Kosten zu senken.

PKV ist zukunftsfähig

Johannes Singhammer hält die private Krankenversicherung trotz aller Probleme für zukunftsfähig. Er hat sich im Gespräch mit der "Welt" klar gegen die Absicht der Oppositionsparteien geäußert, die PKV abzuschaffen. Doch es sei unbedingt nötig, dass die privaten Krankenversicherer das Problem der Beitragssteigerungen lösen. Er empfiehlt der PKV, beispielsweise die ausufernden Verwaltungskosten zu senken und die Provisionen für neue Kunden zu überdenken. Auf keinen Fall sei es die Sache der Politik, eine Annäherung der beiden Systeme zu fördern oder gar zu erzwingen. Es gebe genug Menschen, die für bestimmte Gesundheitsleistungen auch zahlen wollen. In einem freien Staat müsse diese Freiheit der Wahl bewahrt und gefördert werden.

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