Bei den Provisionen für Versicherungsvermittler handelt es sich um ein Thema, das immer wieder für Diskussionen sowohl in der Politik als auch in der breiten Öffentlichkeit sorgt. Kritiker beklagten stets, dass sich Versicherungsvermittler mehr an ihren zu erwarteten Provisionen als an den Bedürfnissen ihrer Kunden orientierten. Seit diesem Jahr gelten daher Obergrenzen für Provisionszahlungen in der privaten Krankenversicherung (PKV). Einen weiteren Schritt zur Stärkung der Verbraucherrechte soll nun eine neue EU-Richtlinie darstellen. Dazu hat der EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier Anfang Juli seinen Entwurf zur Überarbeitung der Finanzvermittlerrichtlinie IMD vorgelegt. Demnach sollen Versicherungsvertreter ihren Kunden künftig unaufgefordert offenlegen, für wen sie arbeiten und welche Höhe ihre Provision hat. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, würden nach Ansicht von Kritikern nun aber besonders Vermittler der PKV von den Neuregelungen profitieren.

Scharfe Kritik an geplanter EU-Richtlinie

In den Augen des wirtschafts- und finanzpolitischen Sprechers der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold, sei mit der neuen Richtlinie eine Großchance vergeben worden. Der Grund: Provisionen würden im vorgestellten Text nur unabhängigen Beratern verboten. Alle anderen müssten noch nicht mal den Provisionsbetrag offen legen, sondern nur die Basis der Provisionsberechung. Somit könne die “Verbraucherabzocke in der privaten Krankenversicherung mit hohen Vermittlungsgebühren weitergehen“, gab der EU-Abgeordnete zu bedenken. Auch für Verbraucherschützer gehen die geplanten Regeln nicht weit genug.

Neuregelung nach Ansicht der Versicherungsbranche überflüssig

“Nach der größten Finanzkrise der jüngeren Vergangenheit muss sich der Finanzsektor die Interessen der Verbraucher stärker zu Herzen nehmen”, versprach Barnier bei der Vorstellung seinen IMD-II-Entwurfes. Vermittler und Versicherer halten die geplanten Änderungen dagegen für überflüssig. “Wir bedauern, dass die Regelung zur Offenlegung der Provisionen im derzeitigen Entwurf ihren Niederschlag gefunden hat”, erklärte Michael Heinz, Präsident des Bundesverbands Deutscher Versicherungskaufleute (BVK).

Informationspflicht für alle Policen nach Übergangszeit

Gelten sollen die Neuregelungen zuallererst für alle Lebensversicherungen, bei den Provisionen für einen Vertragsabschluss mehrere tausend Euro ausmachen könnten. Bei anderen Produkten müssten Vermittler nur bei expliziter Nachfrage des Verbrauchers Informationen offenlegen. Nach einer Übergangsphase von drei Jahren soll die obligatorische Offenlegung dann aber für alle Policen gelten. Ein generelles Provisionsverbot ist derzeit allerdings nicht mehr in der Diskussion.