Private Krankenversicherung oder gesetzliche Krankenkasse – die Frage, welches der beiden Systeme mehr Vorteile bietet und besser ist, schwelt schon seit Jahren vor sich hin. Wenn dann zwei der Akteure aufeinandertreffen, wird es spannend, wie beim MCC-Kassengipfel in Berlin. Auf dem Plan standen eigentlich Produkt-Innovationen. Gesprochen haben der Gesundheitsvorstand der Ergo, Dr. Clemens Muth, und der Vorstandschef der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jacobs, dann aber eher über aktuelle Themen.

Dass Dr. Clemens Muth die Kritik an der PKV als schrumpfende Branche und Auslaufmodell, das inzwischen auch bei der Politik immer weniger Ansehen genießt, aufgreifen würde, war abzusehen. Der Ergo-Vorstand verwies auf ein kontinuierliches Wachstum innerhalb der vergangenen zehn Jahre, sowohl im Bereich der Krankenvoll- als auch der Krankenzusatzversicherungen. Wenn von der PKV in eine gesetzliche Kasse gewechselt würde, geschehe das meist nicht freiwillig, sondern aufgrund der Umstände wie eines geringeren Einkommens. Auch die Diskussion über die Beitragssteigerungen hält Dr. Muth für völlig überzogen. Die Beiträge für die Pflegeversicherung seien bei den PKV rückläufig, während die Versicherten der GKV immer mehr bezahlen müssten.

Unverständnis äußerte der Vertreter der Ergo Krankenversicherung zu den Wahltarifen der Kassen. Sie seien „Fremdkörper“ im System. Da sie jederzeit wieder beendet werden könnten, bestehe keinerlei Verbraucherschutz. Zudem fehlten Transparenz und die Unterlegung mit Eigenkapital. Ziel solcher Angebote sollte immer ein Mehrwert sein. „Wir bieten zusätzliche Leistungen an, organisieren sie bzw. bieten den Zugang dazu – und zwar auf einfachste, verständliche Art und Weise“, so Dr. Clemens Muth. Er ist davon überzeugt: „Die Kapitaldeckung funktioniert und trägt insgesamt zur Entlastung der gesamtgesellschaftlichen Gesundheitsfinanzierung bei.“

Für die gesetzlichen Krankenkassen, insbesondere die AOK spreche die regionale Nähe zum Kunden als wichtigster Service, hielt Wilfried Jacobs dagegen. Er deutet den Wechsel von der PKV zur GKV verständlicherweise völlig anders. Seiner Erfahrung nach würde gezielt gefragt, welche Möglichkeiten bestehen, der privaten Krankenversicherung den Rücken zu kehren, weil die Beiträge die finanziellen Möglichkeiten überschreiten. Bezogen auf den Vorwurf, die Wahltarife der gesetzlichen Kassen könnten jederzeit geschlossen werden, entgegnete der AOK-Vorstand: Sollte es Probleme mit einem Tarif geben, würden die Beiträge angepasst, genau wie bei der PKV, oder die Kunden auf Angebote eines Kooperationspartners verwiesen. Das System sei also durchaus transparent und kundenfreundlich.