PKV-Verband bereit für kapitalgedeckte Pflegeversicherung
PKV-Verband bereit für kapitalgedeckte Pflegeversicherung

Der Trend einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung erfordert ein Umdenken in nahezu allen Bereichen der Sozialversicherung in Deutschland. Gerade im Bereich der Pflegeversicherung erscheinen die Probleme akut: Bereits in der Kolitionsvereinbarung 2005-2009 war die Pflegereform sowie die Einführung einer Teilkapitaldeckung in der Pflegeversicherung festgelegt worden. Doch die Neugestaltung des Finanzierungsmodells wurde aufgrund von gegensätzlichen Interessen immer wieder zurückgestellt. Nun hat sich auch die PKV auf ihrer jährlich stattfindenden Tagung die Pflege zum Thema gemacht. Wie der Vorstand des Verbandes der privaten Krankenversicherung (PKV) mitteilte, sei die PKV bereit für die Umsetzung einer ergänzenden Kapitaldeckung. Bedingung sei jedoch, dass der Kapitalstock außerhalb der gesetzlichen Krankenkassen angelegt werde.

Reaktion auf demografische Alterung

Der Höhepunkt der demografischen Alterung wird nach Ansicht von Experten für die Jahre 2050 bis 2060 erwartet. Daher sei es noch früh genug, um in die ergänzende Kapitaldeckung einzusteigen, so wie im Koalitionsvertrag von Union und FDP vorgesehen, erklärt PKV-Vorstand Schulte. Dort wurde die Teilkapitaldeckung als “verpflichtend, individualisiert und generationengerecht” festgeschrieben.

PKV-Verband: Deregulierung des Kapitalstocks

Wenn das neue Element der Kapitaldeckung eine gute Wirkung entfalten soll, müsse der Kapitalstock jedoch unbedingt außerhalb des staatlichen Einflussbereiches, also auch außerhalb der gesetzlichen Krankenkassen, angelegt werden, so Schulte weiter. “Nur so würde die Politik vor der Versuchung bewahrt, die Geldreserven für aktuelle Ziele in anderen Bereichen aufzubrauchen, anstatt damit nachhaltig für die Pflege vorzusorgen". Beispiele für solche Zweckentfremdungen gebe es nach Ansicht des Vorstandsvorsitzenden viele. Zur Sicherung der Lebensqualität einer alternden Bevölkerung sei daher ein Dreiklang aus Finanzierungssicherung, Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung notwendig.

Kontinuierlicher Kompetenzausbau

Wie Schulte weiter berichtet, sei die private Krankenversicherung mit 25 Jahren Erfahrung in der Kalkulation von Pflegezusatzversicherungen zudem bestens dafür geeignet, die Verantwortung für den Aufbau eines kapitalgedeckten Zusatzelementes zu übernehmen. Außerdem baue die PKV kontinuierlich ihre Kompetenz in der Pflegeberatung aus.

Pflegereform: Eckpunkte im Sommer

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) teilte indes Ende Mai mit, dass die Pflegereform im laufenden Jahr 2012 in Kraft treten soll. Erste Eckpunkte stellte er noch für diesen Sommer in Aussicht. Die kapitalgedeckte Zusatzvorsorge soll als Ergänzung zur bestehenden Pflegeversicherung mit deren Umlageverfahren eingeführt werden. Der Kapitalstock ist gedacht als eine Art Fonds, der aufgelöst wird, sofern der Gipfel der Alterung erreicht wird. Genaue Finanzierungspläne sind jedoch noch unbekannt.