Über die Zukunftsfähigkeit der privaten Krankenversicherung, den Sinn eines Nebeneinanders zweier Systeme und die Folgen der demografischen Entwicklung für die Beiträge der PKV wird schon lange diskutiert. Dabei verschärft sich der Ton zunehmend und wird immer deutlicher: Es muss etwas passieren. Davon sind nicht mehr nur die klassischen PKV-Gegner überzeugt. Auch aufseiten der Regierung aus CDU/CSU und FDP ist man inzwischen durchaus bereit, mehr als nur ein paar Pflaster auf die Schwachstellen zu kleben.

Das Handelsblatt hat anlässlich der Euroforum-Tagung „Krankenkassen 2013“ den Blick schweifen lassen und mit allen Seiten gesprochen. Für die SPD, die Linke und die Grünen steht fest, die private Krankenversicherung muss abgeschafft und durch eine Bürgerversicherung ersetzt werden. Dafür plädiert insbesondere Biggi Bender von den Grünen. Sie wirft der PKV eine immense Überversorgung im ambulanten Bereich vor und mahnt mit Blick auf die Zukunft: „Die Altersrückstellungen der Branche reichen nicht annähernd aus, um den Beitragsanstieg im Alter in Grenzen zu halten.“ Sie rechnet mit ständig steigenden Prämien. „Dieses System ist hoffnungslos überfordert. Es implodiert von innen“, so Biggi Bender.

Mit dieser Meinung steht sie nicht allein auf weiter Flur. Die Linken bezeichnen das zweigleisige System als unsinnig und gleichsam als „Symbol für die Zweiklassenmedizin“. Die SPD formuliert es nicht ganz so drastisch, stößt aber ins gleiche Horn. Sie hat die Bürgerversicherung nun schon seit längerer Zeit auf der Agenda. Den Grund nennt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: „Das System funktioniert in der jetzigen Form nicht.“

Reformbedarf sehen deshalb nicht nur Grüne, SDP und Linke, sondern auch CDU/CSU und FDP. „Ja, wir müssen beide Systeme reformieren. Das ist eine Daueraufgabe“, sagt zum Beispiel Rudolf Henke von der Union. Wichtig sei, so Karin Maag (CDU), die Schwächen aufzuarbeiten und das System so zu stärken. Sie halten am Nebeneinander von gesetzlichen Kassen und privaten Krankenversicherungen fest. Denn, ob die Bürgerversicherung, die inzwischen von der Mehrheit der Bevölkerung befürwortet wird, den gewünschten Effekt haben wird, ist äußerst umstritten. Am Beispiel Großbritannien sehe man, dass Planwirtschaft im Gesundheitswesen auch Schattenseiten habe.

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