Privat Versicherte profitieren von Medikamentenrabatt für PKV
Privat Versicherte profitieren von Medikamentenrabatt für PKV

Überraschend hat die Bundesregierung entschieden, die Zwangsrabatte auf Medikamente für die Krankenkassen auch auf die private Krankenversicherung (PKV) auszuweiten. Das berichtet die Deutsche Apotheker-Zeitung. Der PKV-Verband hatte Anfang des Jahres die Ausweitung der Rabatte gefordert, um auch Privat Versicherte vor der allgemeinen Kostensteigerung im Gesundheitswesen schützen zu können. Lange Zeit war bezweifelt worden, dass die Rabatte auch für die private Krankenversicherung gelten könnten. Auch Apotheken müssen den gesetzlichen Krankenkassen Abschläge gewähren. Dies soll dagegen nicht auf die privaten Anbieter angewendet werden. Insgesamt spiegelt die Rabattregelung die "neue Nähe" zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung wider. Die private Krankenversicherung ist zunehmend von gesetzlichen Reglements betroffen und es kommt immer öfter zu Kooperationen und Schnittstellen zwischen den Systemen.

Gesetzlicher Arzneimittelrabatt für die PKV

Auch privat Versicherte haben künftig Anspruch auf den 16-prozentigen Rabatt auf Medikamente. Dieser wurde zusammen mit dem Apothekenabschlag eingeführt und von der jetzigen Regierung ausgebaut, um die Kosten für die Krankenkassen zu drücken und damit Beitragserhöhungen zu vermeiden. Kritik gibt es in diesem Zusammenhang vor allem von den Arzneimittelherstellern, die der Bundesregierung zu viel staatliche Steuerung vorwerfen. Mit der Begründung, ihre Versicherten vor den steigenden Versicherungsprämien schützen zu wollen und somit auch das Gemeinwohl zu fördern, setzte die PKV ihr Anliegen durch.

Wahltarife der Krankenkassen

Mit der Einführung von Wahltarifen und Zusatztarifen griffen bereits die Krankenkassen in den Wettbewerb der privaten Krankenversicherung ein: Sie verkauften viele Privilegien, aber nach anderen Gesetzen. Und zwar günstiger, weil nicht risikoorientiert. Die private Krankenversicherung war empört und forderte die Krankenkassen auf, sich auf ihre Funktion als staatliche Sozialversicherung zu besinnen und sich nicht in den privaten Wettbewerb einzumischen. Die Zusatzangebote der Krankenkassen sollen aber vom Gesetzgeber wieder stark eingeschränkt werden.

Kritik von Pharmaherstellern

Allerdings hagelte es massive Kritik vom Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) an den PKV-Unternehmen: Die privaten Krankenversicherungen beanspruchen für sich dieselben Rabatte für Medikamente, die der Staat der gesetzlichen Krankenversicherung verschafft hat, forderten aber bisher immer möglichst wenigen gesetzlichen Reglementierungen unterlegen zu sein, so der BPI. Der BPI wirft den privaten Krankenversicherungen weiterhin vor, die eigenen Prinzipien des freien Marktes zu vernachlässigen. Den Wettbewerb mit der staatlich subventionierten GKV lehnten die PKV-Unternehmen in der Vergangenheit vehement ab, forderten nun aber die Gleichstellung mit den Krankenkassen, so der Pharmaverband. 

Grundlegend funktioniert die gesetzliche Krankenversicherung über das Solidarprinzip, in die Finanzierung fließen sowohl Beiträge als auch Steuermittel. Die private Krankenversicherung funktioniert nach den Wettbewerbsprinzipien des freien Marktes: Ein Risiko wird analysiert und nach den erforderlichen Bedingungen versichert, jeder investiert für sich selbst so viel er bereit ist zu zahlen bzw. so viel wie die zusätzliche Leistung ihm wert ist.